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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Tirol und Vorarlberg

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nieder.  Die  Aussicht  ist  lohnend  und  erstreckt  sich  auf  einen  weiten  Umkreis  der  Alpen  wie
auf  einen  großen  Theil  des  venetianischen  Tieflandes  bis  zur  Adria.
Unterhalb  Tezze  nimmt  Valsugana  seinen  Ausgang,  wir  treten  auf  italienischen
Reichsboden.  Auf  diesem  können  wir  nun,  wollen  wir  es  bequem  haben  und  nicht  von
Val  Tesino  aus  über  den  hohen  Berg  steigen,  zum  Cismone  und  an  diesem  Flusse  auf
einer  neuen  Straße  nach  Primiero  gelangen.  So  heißt  ein  ganzer  Bezirk,  welcher  hauptsächlich ­
  aus  zwei  Thälern  besteht,  die  sich  in  felsiger  Enge  gleich  bei  der  Grenze  scheiden.
Das  eine,  das  Thal  des  Vanoi  oder  Canale  San  Bovo,  zieht  sich  links  weit  hinauf
und  zu  oberst  hinter  dem  letzten  armen  Bergdörflein  Cauria  noch  in  einem  weiten  Bogen
um  die  Cima  d'Asta  herum.  Eine  traurige  Merkwürdigkeit  dieses  Thals  ist,  daß  dort
1794,  1823  und  1825  ungeheure  Erdabrutschungen  stattfanden,  welche  mehrere  kleine
Ortschaften  und  das  volkreiche  Dorf  Canale  di  sotto  mit  einer  prächtigen  Pfarrkirche  in
einem  Schuttmeer  begruben.  Da  der  Bach  einen  ihm  seitlich  vorgeschobenen  Damm  nicht
mehr  zu  brechen  vermochte,  bildete  sich  dort  ein  zwei  Kilometer  langer  See,  welcher  der
neue  —  Lago  nnovo  —  genannt  wurde.  Als  nach  57  Jahren  im  Herbst  1882  infolge
schwerer  Regengüsse  der  Vanoi  anschwoll,  brach  der  See  aus  und  richtete  bis  in  die  schöne
Ebene  von  Fonzaso  hinab  furchtbare  Verheerungen  an.  An  seiner  Stelle  blieb  nur  eine
kleine  Lache  zurück,  aus  welcher  noch  braune  blätterlose,  meist  auch  entrindete  Fichten  und
Erlen  mit  Ästen,  die  wie  Glas  brachen,  hervorragten.  Von  der  Grenze  an  zieht  sich
östlich,  anfangs  noch  sehr  enge,  das  schöne  Thal  des  Cismone  durch  mehrere  Dörfer
hindurch  aufwärts  nach  Fiera  di  Primiero,  schlechtweg  auch  nur  Primiero  genannt,
einem  ansehnlichen  Orte,  der  einem  Städtchen  gleichsieht.  Wahrzeichen  des  einstmaligen
von  deutschen  Gewerken  und  Knappen  betriebenen  Bergbaues  sind  noch  vorhanden.
Der  ganze  Bezirk  ist  eigentlich  ein  weiter  Bergkessel,  in  welchem  nach  Nordosten
hin  die  Welt  der  Dolomiten  ihre  vollste  Großartigkeit  entfaltet.  Von  Fiera  aus  zieht  sich
die  neue  vielfach  gewundene  Straße  in  gerader  nördlicher  Richtung  hinauf  zu  S.  Martino,
einem  ehemaligen  Hospiz,  wo  ein  großes  neues  Gasthaus,  ein  älteres  Wirthshaus  und
eine  alte  Kirche  stehen,  und  weiter  bis  auf  die  Höhe  des  Rollepasses.  Unfern  Blick  fesseln
zunächst  die  zwei  Zwillingsthürme  des  Sasso  maggiore;  wir  blicken  weiter  hinan  zu
riesigen  Felsenwünden,  auf  Zacken,  Hörner  und  Thürme,  auf  wild  zerrissene  Grate.  Da
ist  der  erste  und  höchste,  der  Cimon  della  Pala  (3.220  Meter),  der  sich  von  S.  Martino
ans  als  breite  unglaublich  hohe  Mauer,  von  Rolle  aus  als  kühn  geschwungenes  Horn
zeigt.  Die  alpine  Touristik  feierte  einen  ihrer  größten  Triumphe,  als  ihm,  dem  Riesen,  der
lange  für  unbesiegbar  galt  und  oft  mit  dem  Matterhorn  der  Schweiz  verglichen  wird,  der
kühne  Engländer  Mr.  Whitwell  am  3.  Juni  1870  zuerst  den  Fuß  auf  den  Kopf  setzte.
Der  Ausblick  umfaßt  die  ganze  Runde  von  Adamello  und  Ortler  über  die  Ötzthaler  und  die
            
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