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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Tirol und Vorarlberg

der höchsten Spitzen benannt ist — hier die ersten an der großen Arbeit waren, Deutsche 
und Italiener, so daß sie das große Gasthaus in S. Martino manchmal nicht alle auf 
nehmen kann. Fast wäre, man darf sagen, der Schrecken, den diese Riesenmauern, 
Thnrme, Hörner, Zacken und Grate einflößen, nach dem ersten Eindruck zu überwältigend, 
wenn er nicht durch die schönen blumenreichen Matten und Triften von S. Martino 
gemildert würde. 
Der Gardasee und Judicarien (Gebiet der Sarca und des Chiese). — Westlich 
von Mori liegt auf dem Übergang von der Etsch in das Sarcathal das Dorf Nago, an 
dessen Ende ein kleines Fort steht. Tritt man durch das Thor desselben, so liegt urplötzlich 
nahe unten der Gardasee fast nach seiner vollen Länge vor dem Auge da. Ein über 
raschender, bezaubernder Anblick, dessen Mancher, der ihn genossen, mit Freude gedenkt. 
Links hinab streckt sich geradeaus bis zum Vorgebirge S. Vigilio, wo der See sich nach 
Südosten hin ausweitet, der hohe, rauhe, jähe Abhang des Monte Baldo, fast nirgends 
setzt sich am Seeufer auch nur die schmälste Ebene an, die Ortschaften liegen an Abhängen. 
Am Westufer des Sees steigen hohe senkrechte Felscnwände aus dem Wasser und reichen 
bis gegen Maderno hin, wo der Bergbach Toscolano mit seinem Geschiebe ein Delta in 
den See hineingebaut hat. Je nach der Beleuchtung erglänzt der Spiegel des Sees, mehr 
oder weniger oder auch stürmisch bewegt — ^Inatibus et lreiniln näsur^ens, Lennee, 
rimrims!« sang ihm der alte Vergilius zu —, bald mehr grün, bald mehr blau, bald 
lichter, bald dunkler, bald streifig, bald vollflächig gleich, je nachdem die hohen Berge 
beiderseits ihre Schatten in seine Tiefen werfen. Man müßte an einem schönen Tage 
seinen Anblick füglich vom frühen Morgen bis zum späten Abend ununterbrochen genießen, 
um allen diesen Wechsel in der Beleuchtung, alle diese Abstufungen der Farben zu schauen. 
Österreich hat nur einen sehr kleinen, aber keinen schlechten Antheil an diesem großen 
Randsee der Alpen. Am schmalen Nordnfer desselben liegt östlich das kleine Dorf 
Torbole, nordwestlich die Stadt Riva, in der Mitte zwischen beiden isolirt, als wäre er 
vom Himmel gefallen, der mehr als 300 Meter über der Thalsohle sich erhebende Monte 
Brione, neben welchem die Sarca mündet. Riva ist eine kleine freundliche Stadt, der 
Landungsplatz der den See befahrenden italienischen Dampfer. Rauh und steil, ja fast 
drohend steigt westlich unmittelbar über der Stadt das Gebirge an. Etwa drei Kilometer 
nördlich von derselben findet sich die jetzt bequem zugänglich gemachte Grotte des 
Barone, in welcher dieser Bach nach einander zwei Wasserfälle bildet, von denen der 
obere bei 100 Meter hoch ist. 
Eine Meile nördlich von Riva liegt die kleine Stadt Arco unter einem breiten 
steilen Felsen, auf welchem sich die Ruinen des alten vielumkämpften gleichnamigen 
Herrenschlosses befinden. Arco ist ein Lieblingssitz Seiner kaiserlichen Hoheit des Herrn
	        
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