durch eine lauge, tiefe, unten nicht begehbare Felsenschlucht in das Gebiet von Stenico
zum Bad von Comano, welches seinerzeit auch schon die Römer zu seinen Curgästen
gezählt haben soll. Diese erst seit 1834 erbaute Straße hat Judiearien eigentlich erst
erschlossen. Früher gab es hier von Vezzano aus nur einen gefährlichen Saumweg mit
dem bezeichnenden Namen iiUnsso äcllin Norts; nur zwischen Riva und Arco führte eine
hochansteigende schlechte Bergstraße in das Gebiet von Stenico.
Damit sind wir nun ip Judiearien. Der Name bezeichnet nichts Anderes als den
Bezirk eines Richters; volksthümlich und alt ist auch die Bezeichnung dieses ganzen
Gebietes als des Landes der sieben Pfarreien, le sotto?iovi. Der Bezirk Stenico
umfaßt Vorder- oder Außer-Judicarien, während die Bezirke Tione und Condino Jnner-
Judicarien heißen.
In der weiten Gegend fließt die Sarca unten quer durch einen tiefen Berggraben,
die zahlreichen Ortschaften liegen alle neben und über einander in der Höhe. Rechts schaut
Stenico, der Hauptort, mit einem bischöflichen Schloß hoch vom Berge nieder. In den
grünen Buchten und Thälern nach Süden hin reiht sich Ort an Ort. Das Ganze ist ein
uralter Culturboden, wo schon manche wichtige Funde aus römischer Zeit gemacht worden
sind. Dort liegt auch das kleine Dorf Dasindo, wo einer der bedeutendsten italienischen
Lyriker unseres Jahrhunderts, Giovanni Prati, das Licht der Welt erblickt hat. Auch an
Schlössern hat es hier nicht gefehlt; manche liegen in Trümmern, eines, Castelmano,
aus welchem man ein enstollnrn nrnirinin, ein römisches Geisterschloß, machen wollte, ist
gänzlich verschwunden. Sämmtliche Ortschaften gehören den drei alten Pfarreien Banale,
Lomaso und Bleggio an.
Die Straße führt in felsiger Enge an der Sarca aufwärts nach Tione. Früher
kam man nur auf einer Bergstraße durch Bleggio hinauf über den Bergpaß Durone
endlich nach Tione hinab. In den ältern Urkunden wird Judiearien gewöhnlich nach dem
genannten Berge in die Theile diesseits und jenseits des Durone geschieden. Tione, in
einem Kessel zwischen hohen, viel Schatten werfenden Bergen gelegen, ist der Hauptort
von Judiearien.
Nun wieder zurück nach Riva, um auf einem anderen Wege in das Herz von
Judiearien zu gelangen.
Westlich von Riva liegt in der Höhe das Lederthal, Val di Ledro. Um zu dieser
angeblichen Heimat der alten Alutrienses zu gelangen, fuhr man früher von Riva aus zu
Schiffe hinüber zum Wasserfall des Ponalebachs, um neben ihm hinauf auf einem
entsetzlich steilen Bergsteige endlich schweißtriefend die Thalsohle zu erreichen. Dies ging
aber einem wackern Manne, Giacomo Cis von Bezzecca, tief zu Herzen, und er ruhte
nicht mehr, bis unter der Mitwirkung von Riva, den Thalgemeinden und Storo, von