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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Tirol und Vorarlberg

Regierung  war,  so  sind  doch  in  ihr  wie  in  der  seines  Vorgängers  die  Ursachen  für  die
nach  seinem  Tod  eintretendcn  stürmischen  Zeiten  vorzüglich  zu  suchen.
Die  heftige  Bewegung,  die  das  Auftreten  Martin  Luthers  in  Deutschland  hervorrief,
ergriff  beim  Regierungsantritt  Karls  V.  auch  Tirol.  Denn  die  vom  Kaiser  Max  I.  hinterlassenen
  Regierungsbehörden  entbehrten  des  nöthigen  Ansehens,  der  Landesfürst  war  fern
und  sein  Bruder  Erzherzog  Ferdinand,  der  an  des  Kaisers  statt  endlich  ins  Land  kam,
hatte,  weil  er  nur  Stellvertreter,  noch  jung  und  mit  den  Verhältnissen  des  Landes  nicht
bekannt  war,  mit  großen  Schwierigkeiten  zu  kämpfen,  um  so  mehr  als  er  ganz  unter  dem
Einfluß  des  Spaniers  Gabriel  von  Salamanca  stand,  der  bald  das  Mißtrauen  der  Tiroler
Bauern  in  hohem  Grade  erregte.  Dazu  kam,  daß  Sendlinge  aus  Deutschland,  wie  Strauß
und  Urban  Regius,  Luthers  Lehre  zu  verbreiten  strebten  oder  heimkehrende  Kaufleute
und  Krieger  damit  bekannt  machten.  Schon  im  Jahre  1523  wurden  die  Knappen  des
Schwazer  Bergwerkes  unruhig  und  im  April  des  Jahres  1525  brach  in  der  Gegend  von
Brixen  ein  Bauernaufstand  aus  und  verbreitete  sich  von  da  ins  Etschland,  ins  Burggrafenamt ­
  und  ans  den  Nonsberg.  Die  Rebellen  überfielen  einzelne  Klöster  und  Burgen,
vernichteten  die  Urbarbücher,  bemächtigten  sich  der  vorhandenen  Lebensmittel  und  trieben
allerlei  Unfug;  doch  genügte  das  Versprechen  des  im  Lande  anwesenden  Erzherzogs
Ferdinand,  ihren  Beschwerden  abzuhelfen  und  zu  diesem  Zwecke  einen  Landtag  nach
Innsbruck  zu  berufen,  um  die  besser  gesinnten  Elemente  sofort  zur  Ruhe  zurückzuführen;
von  ihnen  verlassen,  mußten  auch  die  Schlimmeren  das  begonnene  Zerstörungswerk
unterbrechen.  Das  Vertrauen  in  das  Erzhans  war  eben  trotz  aller  Aufregung  bei  der
Mehrzahl  des  Volkes  nie  geschwunden  und  lebte  neu  auf,  als  Ferdinand  seinen  verhaßten
Günstling  Salamanca  entfernte.  Nun  versammelten  sich  die  Bauern  in  Meran  zu  einem
vorbereitenden  Landtag  und  einigten  sich  über  ihre  Wünsche  und  Beschwerden.  Auf  dem
Landtag  von  Innsbruck  setzten  sie  dann  die  meisten  ihrer  Forderungen  durch,  da  sie  die
Prälaten  und  Adeligen  von  der  Theilnahme  ausschlossen,  Ferdinand  aber  nicht  zu  widerstehen ­
  wagte.
Mit  diesen  Zugeständnissen  zufrieden,  hielten  die  besser  Gesinnten  fortan  Ruhe,  die
Bauern  auf  dem  Nonsberge  und  in  der  Valsugana  aber,  die  nochmals  sich  empörten  und
die  Stadt  Trient  belagerten,  wurden  mit  leichter  Mühe  besiegt  und  strenge  bestraft.
Seitdem  verhielt  sich  die  Bauernschaft  Tirols  vollständig  ruhig  und  vergeblich  bemühte  sich
das  Haupt  der  Rebellen,  Michael  Gaismayr  aus  Sterzing,  ein  Jahr  nachher  sie  neuerdings
aufzureizen.  Auf  dem  Landtag  vom  Jahre  1532  konnte  es  König  Ferdinand  sogar
wagen,  die  den  Bauern  gemachten  Zugeständnisse  wieder  zurückzunehmen  und  die  alten
Rechte  der  Prälaten  und  des  Adels  sowie  der  anderen  Grundherren  herzustellen,  wodurch
die  Lage  des  Bauernstandes  schlimmer  wurde,  als  sie  bis  zum  Rebelliousjahr  gewesen  war.
            
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