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unterricht wurde den Kindern auf dem Lande nur in seltenen Fällen ertheilt und in den
Städten und Märkten blieb er der Privatspeculation einzelner Schulmeister und dem
Bildungsdrang der besseren Bürgerfamilien überlassen; geistliche und weltliche Obrigkeiten
kümmerten sich wenig oder gar nicht um den Unterricht in den weltlichen Gegenständen.
Erst Maria Theresia bemühte sich, dem ganzen Volke Unterricht in den Elementar
kenntnissen zu verschaffen und einzelne Tiroler stellten sich eifrig in den Dienst ihrer edlen
Bestrebungen. Besonders gerühmt zu werden verdienen der Gouverneur Eassian Ignaz
Graf Enzenbcrg. eine in jeder Beziehung ausgezeichnete Persönlichkeit, die Priester
Agsthofer. Tangl. Demoser und Andere. So hatte sich in Tirol der Volksunterricht in
Stadt und Land schon bedeutend gehoben, als die Kaiserin durch Erlaß des ersten Volks-
schnlgesetzes eine feste Grundlage dafür schuf. Das Vermögen des aufgehobenen Jesuiten
ordens. die Hälfte des Drittels geistlicher Hinterlassenschaften und andere Bezüge gaben
die Mittel zur Bildung des Schulfondes.
Nicht so große Veränderungen bewirkten in Tirol Maria Theresias Reformen
ans dem Gebiete der Rechtspflege. Da ihr Plan, ein allgemeines bürgerliches Gesetz
buch einzuführen, nicht über die Vorarbeiten hinaus kam. so begnügte man sich durch
einzelne Verordnungen Lücken der tirolischen Landesordnung auszufullen oder manche
Bestimmungen derselben abzuändcrn. In der Strafrechtspflege kam jedoch auch in
Tirol die neue Halsgerichtsordnung zur Geltung. Die Justizbehörden blieben die-