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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Tirol und Vorarlberg

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Malerisch in eineni Circus der herrlichsten Bergspitzen gelegen, unter denen die durch 
ein Kreuz gezierte Nadel des Säulings ganz besonders hervorragt, sind die hochberühmten 
Stuibenfälle des Archbachs, welche in Absätzen von 18 und 31 Meter niederstürzen, 
seine vornehmste Zier; hoch oben liegt der Strudel, von dem man über den Königsweg und 
den Frauenbrunnen zum Plansee gelangt, dem zweitgrößten See Tirols, „der bei großer 
landschaftlicher Ähnlichkeit mit dem Achensee die Düsterheit des Walchensees verbindet" 
ein wahres Prachtstück des Landes, ein Sammelpunkt der seltensten Vögel. Nordwärts, 
etwa drei Stunden entfernt, liegt an der Landesgrenze das kleinste Städtchen Tirols, 
Vils, in reizender Umgebung, geologisch interessant durch die dem mittleren Jura ange 
hörenden Vilserschichten mit zahlreichen schön erhaltenen Fossilien. 
Werfen wir noch einen Blick auf die prächtige Bahnlinie im Hauptthal bei Imst, 
welche kurz nach Überschreitung des herrlichen Wasserfalls beim Pitzbach eine 5 Kilo 
meter lange Schlucht einschneidet, die mühselig dem Gehänge ani Inn abgerungen wurde, 
eine Route, die nicht mit Unrecht dem Gesäuse an die Seite gestellt wird und die schönste 
Partie der Fahrt bildet — und wandern dann vorüber an der Mündung desÖtzthals und den 
öden Schutthalden des Simmering am Karreserberg gegen Silz zu mit seinen stattlichen 
Schlössern Welfenberg und Petersberg. Bald ist Mötz erreicht, das Nein der Römer, mit 
seinem Gasthause „zum römisch-deutschen Kaiser", bekannt als der Werbebezirk der 
berüchtigten Dörcher, landstreichender Karrenzieher, die nach eigenen Rechtsanschauungen 
und Rechtspraktiken selig werden, und Stams, das große Cistercienser-Kloster, das von 
Elisabeth, der Mutter des unglücklichen Konradin, zu dessen Andenken 1272 gegründet wurde. 
Nun wird auch Telfs sichtbar in einer Weitung des Innthals am Fuße der buckeligen 
Munde gelegen, das hübsche Landschaftsbild belebend und ergänzend. Der Ort, bekannt 
als der Geburtsort des Malers I. Schöpf, des Dichters Weißenbach und des Natur 
forschers V. M. Gredler, ist der Ausgangspunkt einer hübsch angelegten Straße in die 
Mieminger Gebirgskette, nach Nassereith und über den Fernpaß. 
Hinter der weit vorspringenden Ruine Hörtenberg liegt im weiten Thalkreis Zirl 
mit dem darüber stehenden Calvarienberg, der Ruine Fragenstein und dem Zirler Klamm 
einschnitt; von Zirl aus führt ein theilweise künstlich in den Fels eingesprengter schmaler 
Pfad auf die Martinsw and, auf welcher sich, einer weit verbreiteten Sage nach, Kaiser 
Maximilian bei einer Gemsenjagd verstiegen hatte und von einem Engel ans der ihm 
drohenden Gefahr gerettet wurde. Das Felsenloch, die Maximilianshöhle, ist 259 Meter 
hoch über dem Inn gelegen und mit einem Crucifix geziert. Unmittelbar hinter Zirl liegt 
der Solstein (2.540 Meter), dessen senkrecht abfallende Wände sich als echte Korallenriffe 
auf dem hochromantischen Wege von der Alpe Zirlerchristen ins Gleirschthal in ihrer 
vollsten Pracht zeigen. Über Zirl aber schlängelt sich die Scharnitzer Fahrstraße ziemlich
	        
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