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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Tirol und Vorarlberg

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Abschied  singen  die  Klöckler  das  „Danklied".  Dann  heißt  sie  der  Bauer  noch  tüchtig  auf
seinen  Feldern  herumspringen,  damit  es  ein  gutes  nächstes  Jahr  gebe,  die  Hausfrau  aber
füllt  den  Ranzen  des  „Sackträgers"  mit  Speck  und  den  sogenannten  Klöcklerwürsteln,
welche  dann  am  „Losenpfinstag",  das  ist  der  letzte  Donnerstag  im  Advent,  gemeinsam
verzehrt  werden.
An  die  Klöpfelsnächte  schließen  sich  die  drei  Rauchnächte,  welche  die  eigentliche
Weihnachtszeit,  vom  heiligen  Abend  bis  heiligen  Dreikönig,  begrenzen.  Der  heilige  Abend
gilt  in  ganz  Tirol  als  eine  hochheilige  Zeit.  Wirft  man  da  einen  Blick  in  ein  Gehöfte,  so
trifft  man  Alles  in  voller  Thätigkeit.  Das  ganze  Haus  muß  blank  gefegt  und  gesäubert,
das  letzte  „Wizele"  Flachs  am  Rocken  rein  abgesponnen  sein,  sonst  „nistet  die  Berchtl
darin".  In  der  Küche  steht  die  Bäuerin  am  prasselnden  Feuer  und  kocht  Schmalzkrapfen
in  riesiger  Menge,  denn  tagsüber  hat  man  gefastet  und  der  mitternächtige  Gang  zur
Christmette  in  der  eiskalten  Nacht  ist  oft  lang  und  beschwerlich.  Vor  dem  Essen  wird  nach
alter  Gepflogenheit  „geräuchert".  Der  Bauer  nimmt  die  Glutpfanne,  worauf  die  während
der  heiligen  „Dreißgenzeit"  gesammelten  Weihekräuter  nebst  Weihkörnern  gelegt  werden,
geht  voran,  ihm  folgt  das  Gesinde  mit  den  Kindern.  So  zieht  man  räuchernd  und  betend
unter  dem  Spruch:  „Glück  ins  Haus,  Unglück  hinaus"  durch  Haus,  Stall  und  Tenne,
ja  sogar  auf  die  Felder.  Auch  der  am  Thomastag  gebackene  Weihnachtszeiten  bekommt
sein  Theil.
Gegen  Mitternacht  rüstet  sich  Alles  zum  Kirchgang.  Die  „Kenteln"  (Kienfackeln)
werden  angezündet,  die  Schneereifen,  wenn  nothwendig,  umgebunden,  so  macht  sich  Jung
Ed  Alt  —  höchstens  der  „Nähnl"  bleibt  als  Hanshüter  zurück  —  auf  den  dunkeln  Weg.
Dieser  nächtliche  Kirchgang  hat  etwas  ungemein  Poetisches.  Von  nah  und  fern,  einzeln
und  in  Gruppen,  eilt  Alles  bei  Fackelschein  zum  Gotteshaus.  Von  beiden  Thallehnen,  oft
von  den  höchsten  Bergen,  wo  noch  Einzelhöfe  stehen,  sieht  man  die  Lichter  sich  dem  Thal
zu  bewegen,  bald  verschwindend,  bald  wieder  auftauchend.  Dabei  hört  man  in  der  Stille
der  Nacht  jeden  Laut,  jedes  Geräusch.  Die  rauhen  Stimmen  der  Männer,  die  Hellen  der
Kinder,  daneben  das  Geschwätz  und  Kichern  der  Weiber  kann  man  genau  unterscheiden.
Hier  und  da  hallt  ein  ferner  langgedehnter  Juchezer  eines  Burschen,  dem  sein  Mädel  mehr
im  Kopfe  liegt  als  die  Mette,  durchs  Thal,  bis  endlich  Fackel  um  Fackel  erlischt  und  nurmehr ­
  die  hellerleuchteten  Bogenfenster  durch  die  Nacht  schimmern.  Die  nächtliche  Feier
besteht  in  der  Mette,  an  die  sich  die  gesungene  Messe,  das  sogenannte  Hirtenamt  anschließt.
Hierbei  wird,  wenigstens  in  Nordtirol,  nach  der  Wandlung  ein  „Hirtenlied"  gesungen.  Nach
der  Mette  trachtet  Alles  so  rasch  als  möglich  nach  Hause  zu  kommen,  wo  an  manchen
Orten  die  müden  Kirchgänger  Würste  und  weißer  Wein,  sowie  die  Reste  der  schmalzigen
„Blattelküchel"  erwarten.
            
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