Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Tirol und Vorarlberg

.D6
vorgekommen  sein,  daß  ein  über  besonders  gelenkige  Glieder  verfügender  Ciuso  den  Kreis
der  Gobbi  übersprang,  die  Polenta  packte  und  mit  ihr  wieder  zurücksprang.  Vermochten
die  Ciusi  den  Kreis  nicht  zu  sprengen,  so  behielten  die  Gobbi  die  Polenta  und  den  Sieg,
waren  aber  die  Besiegten,  wenn  ihr  Kreis  gesprengt  und  die  Polenta  von  den  Ciusi  davongetragen ­
  wurde.  Letztere  sollen  auch  meistens  die  Sieger  gewesen  sein.  Eine  ungeheure
Volksmenge  sah  zu  und  ließ  es  an  Zurufen  oder  Zischen,  Pfeifen  und  Lachen  nicht  fehlen.
Dian  wollte  diesem  Spiele,  bei  welchem  es  auf  List,  Gewandtheit  und  Leibesstärke  ankam
und  an  welchem  in  älteren  Zeiten  auch  vornehme  Bürger  und  Herren  theilnahmen,
geschichtlichen  Ursprung  zuschreiben  und  es  auf  die  Zeit  beziehen,  in  welcher  auf  Befehl
des  Ostgothenkönigs  Theodorich  die  Feltriner  den  Tridentinern  ihre  Stadtmauern  wieder
bauen  halsen.  Dr.  Tito  Bassetti,  der  sich  mit  der  Beschreibung  des  Spieles  beschäftigte,
wollte  es  gar  in  etruskische  Zeit  zurückverlegen  und  in  den  Namen  Ciusi-Gobbi  Anklänge
an  die  Namen  der  alten  Städte  Clusium  und  Gabium  finden.
Den  Romanen  eigen,  ein  Nachspiel  zu  den  alten  Satnrnalien  scheinen  die  Märzfeuer ­
  gewesen  zu  sein,  welche  einst  allgemein  üblich  waren.  An  den  drei  ersten  Abenden
des  März  zündeten  junge  Bursche  Feuer  auf  den  Höhen  an  und  riefen  mit  einem  Reimspruch ­
  neue  Ehepaare  aus,  am  ersten  Abend  toll  genug  Alte  mit  Jungen,  Häßliche  mit
Schönen,  Arme  mit  Reichen,  am  zweiten  weniger  unsinnig,  am  dritten  sogar  ernst.  Statt
an  drei  Abenden  that  man  Gleiches  auch  nur  an  zweien  oder  an  einem  einzigen.  Die  Sache
blieb  selten  ohne  Folgen.  Heiraten  wurden  gestiftet  oder  zerschlugen  sich  auch,  wenn  sie
schon  in  Aussicht  waren,  Verdruß,  Haß  und  Feindschaften  entstanden,  so  daß  die  Behörden
öfter  eingreifen  und  den  bösen  Scherz  verbieten  mußten.  Heute  gleicht  dieser  Brauch  noch
einem  erlöschenden  Feuer,  welches  zeitweilig  wieder  hell  aufflackert.  Die  Johannisfeuer
dagegen  scheinen  weniger  allgemein  üblich  gewesen  zu  sein.
Ostern  hat  wie  überall  seine  Bräuche.  Eine  herkömmliche  Sitte  ist  es,  daß  der
Vater,  welcher  zuerst  nach  der  Weihe  des  neuen  Taufwassers  ein  Kind  taufen  läßt,  dem
Ortsgeistlichen  ein  Ziegenkitz  zum  Geschenk  macht.  In  Rovereto,  wo  das  Auserstehungsfest
schon  am  Charsamstag  vormittags  gefeiert  wird,  laufen  die  Knaben  mit  klingenden  Schellen
durch  die  Stadt,  sobald  die  Glocken  zum  Gloria  wieder  geläutet  werden.
Allerseelen  ist  ein  Fest,  welches  dem  Volke  zu  Herzen  geht.  An  vielen,  wenn  nicht
an  allen  Orten  wird  am  Vorabend  mit  Zwischenpausen  bis  Mitternacht  ernst  und  feierlich
geläutet.  Man  stellt  eine  Schüssel  voll  Wasser  oder  Suppe  oder  andere  Speisen  auf  den
Tisch,  damit  die  armen  Seelen,  welche  in  dieser  Nacht  in  ihre  Häuser  zurnckkehren,  ihren
Durst  löschen  oder  ihren  Hunger  stillen  oder  doch  sehen  können,  daß  man  ihrer  freundlich
gedenkt.  Am  Allerseelentag  betet  der  Priester  auf  den  Gräbern,  wofür  die  nächsten  Verwandten ­
  von  Todtcn,  für  welche  gebetet  wird,  Geldmünzen  in  ein  Kesselchen,  welches  der
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.