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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Tirol und Vorarlberg

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Meßner  trägt,  zu  werfen  pflegen.  Am  Morgen  werden  auch  von  Wohlhabenderen  Brotstücke, ­
  welche  an?,  oder  olii^öl  heißen,  an  die  Armen  vertheilt.  Sonst  hält  man  in  Wälschtirol
  in  der  Regel  nicht  viel  auf  die  Pflege  und  Zier  der  Friedhöfe.  In  den  Dörfern  ist
der  Ruheplatz  der  Todten  meist  nur  ein  von  einer  Mauer  umfangener  Grasanger;  in  der
Mitte  steht  ein  großes  hölzernes  Kreuz,  an  den  Mauern  ist  da  und  dort  ein  bescheidenes
Denkmal  zu  sehen.
Längst  vorbei  ist  die  Zeit,  in  welcher  man  am  Tage  der  heiligen  Märtyrerin
Katharina  (25.  November)  weder  ein  Mühl-  noch  ein  Wagenrad  gehen  ließ,  weil  man
sonst  der  Heiligen  wehegethan  haben  würde.
Das  Fest  der  Kinder  ist  für  die  Knaben  St.  Nikolaus  (6.  December),  für  die
Mädchen  aber  St.  Lucia  (13.  December).  In  der  Vornacht  legen  die  Kinder  einen  mit
Kleie  gefüllten  Schuh  vor  das  Fenster.  In  der  Nacht  kommt  der  Heilige  oder  die  Heilige
mit  dem  Eselein,  welches  die  Kleie  frißt,  wofür  die  erkenntlichen  Heiligen  allerlei  kleine
Geschenke  in  den  Schuh  stecken.
Die  Verlobungs-  und  Heiratsbränche  haben  sich  in  älterer  Form  nur  noch  in
abgelegenen  Thälern  erhalten.  Verschieden  ist  das  Verhalten  der  Brautleute  während  der
drei  kirchlichen  Aufgebote;  meistens  suchen  sie  mit  einander  eine  andere  Dorfkirche  auf.
In  Jaffa  aber  erscheint  die  Braut  beim  ersten  Aufgebot  mit  einer  weißen  Schürze,  dem
Zeichen  der  jungfräulichen  Ehre,  in  der  Kirche.  Ähnliches  war  einmal  auch  in  Val  Tesino
Brauch.  Wenn  dort  ein  Jüngling  ein  Mädchen  freite,  so  nahm  sich  die  Begehrte  acht  Tage
Bedenkzeit,  erschien  aber  am  Sonntag  mit  einem  weißen  Bande  in  den  Zöpfen  in  der
Kirche.  Da  kamen  nun  einmal  an  einem  Sonntag  acht  Mädchen  zugleich  mit  diesem
Schmuck  in  der  Kirche  zusammen  und  sahen  sich  verwundert  an;  es  stellte  sich  aber  heraus,
daß  ein  muthwilliger  Junge  um  alle  acht,  ohne  daß  eine  von  der  anderen  wußte,  zugleich
sich  beworben  hatte.  Was  folgte,  läßt  sich  denken;  mit  der  alten  Sitte  war  es  seither  für
immer  vorbei.
Beim  Gang  zur  Trauung  haben  die  Brautleute  ihre  Führer,  welche  verschieden
benannt  werden.  In  Fassa  sind  es  die  eairmritsolr  und  die  eairiarites,  die  beiderseitigen
nächsten  aber  ledigen  Verwandten  beiderlei  Geschlechts,  ohne  welche  es  keine  lustige
Hochzeit  gibt.  In  der  Gegend  von  Pergine  wurden  die  Brautleute  von  den  sogenannten
bi'üinoii,  wie  sic  auch  in  Fleims  heißen,  begleitet,  von  denen  der  eine  auf  einem  Stock
eine  lebende  Henne,  der  andere  Rocken  und  Spindel  mit  Flachs  trug.  Kam  der  Zug  aus
der  Kirche  zum  Haus  des  Bräutigams,  so  wurde  der  Braut  die  Hausthür  versperrt  und
die  Schwiegermutter  fragte,  was  sie  wolle.  Erst  nachdem  die  Braut  alle  Versicherungen
eines  guten  Benehmens,  wie  es  einer  Hausfrau  ziemt,  namentlich  das  Versprechen  des
Gehorsams  gegen  ihren  Eheherrn  gegeben,  durfte  sie  in  das  Haus  eintreten.  Öfter  noch,
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