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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Tirol und Vorarlberg

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nahe  der  Jnnbrücke  bei  Brixlegg  liegt  das  Wahrzeichen  der  Wassergefahren  Rattenbergs,
ein  riesiger  Rollstein,  an  welchem  das  Steigen  des  Jnnflusses  die  herannahende  Gefahr
verkündet.  Brixlegg!  Wer  denkt  hier  nicht  an  L.  Stenb,  durch  den  es  ja  groß  geworden
ist,  dieses  Dorado  der  Besucher  des  Untcrinnthals.  Am  Fuße  der  Gratlspitze,  eines  Aussichtspunktes ­
  ersten  Ranges  gelegen,  vereinigt  es  Alles,  was  man  an  solchen  Punkten  zu
suchen  Pflegt:  Kunst  und  Natur!  Welch  herrliche  Aussicht  auf  der  in  einer  Viertelstunde
zu  erreichenden  Hohen  Kapelle!  Welch  prächtiges  Schloßbild  bietet  Matzen,  die  Heimat
des  tirolischen  Kartographen  Georg  Mayr  („Topomayr")!  Welch  liebliche  Lage  des  Bades
Mehren  mit  dem  Reitherkogl  im  Hintergründe!  Endlich  —  welch  interessantes  Gebiet  der
Erzgruben  am  Geyer,  am  Kogl,  in  der  Mauknerezze  —  mit  ihren  zahlreichen  Mineralien!
Südwärts  öffnet  sich  das  Alpbachthal,  ein  kleiner  Thaleinschnitt  im  Thonglimmerschiefer,
der  im  Hintergründe  von  den  Zillerthaler-  und  Wildschönauerbergen  eingeschlossen  ist  und
sich  durch  eineu  prächtigen  Menschenschlag  mit  hochinteressanter  Tracht  der  Frauen,  sowie
durch  die  Eigenart  des  Baustils  in  gleicher  Weise  auszeichnet.
Im  Norden  liegt  unweit  des  mächtigen  Bergsturzes,  einem  kahlen  Marmorbruche,
zum  „rothen  Gschös"  genannt,  Dorf  an  Dorf  im  wohlbebauten  Thal  wie  im  lieblichen
Mittelgebirge,  und  über  dem  freudigen  Wiesengrün  und  den  üppigen  Baumkronen  rauchen
mächtige  Schlote  der  Messing-  und  Glashütten;  vor  uns  ruhen  die  prächtigen,  mit  Seerosen
überdeckten  Reinthalerseen,  hoch  oben  am  Sonnwcndjoch  liegt  die  fossilicnreiche  Alpe
Ladoi  und  der  wundervolle  Zireinersee,  und  tief  hinein  das  Brandenberger  Joch  entlang
führt  ein  schönes  Alpenthal  ins  Brandenberg,  in  welches  bei  Jnncrort  das  schluchtenartige ­
  Steinbergthal  in  waldiger  Gegend  am  Fuße  des  Guffer  einmündet,  in  dessen
Buschwerk  die  dornige  Stechpalme,  die  am  Palmsonntag  mit  den  Palmkätzchen  geweiht
wird,  eine  prächtige  Abwechslung  bringt.  Im  Hintergrund  liegt  die  Erzherzog  Johann-Klause,
  ein  massiver  Wasserbau,  durch  welchen  nach  der  Schneeschmelze  das  Holz  abgetriftet
wird,  und  schon  eine  halbe  Stunde  dahinter  grüßt  uns  das  freundliche  baierische  Försterhaus ­
  Falep,  am  Kirchtag  der  Sammelplatz  der  Umwohner  ans  Tirol  und  Baiern,  die
Heimat  des  Schuhplattlers.
Unmittelbar  hinter  Brixlegg  folgt  das  Städtchen  Ratteuberg,  zwischen  Jnnstrom
und  Schloßbcrg  malerisch  gelegen;  diesen  krönt  eine  verfallene  Veste,  durch  die  Enthauptung ­
  W.  v.  Bieners,  des  Kanzlers  von  Tirol,  wohl  allerorts  bekannt  geworden;
grünend  Gebüsch  und  melancholischer  Epheu  rankt  um  die  alten  Mauerreste.  Die  Strecke
bis  Kundl,  das  sogenannte  Kundlcrfeld,  ist  ziemlich  eintönig  und  weder  das  Mittelgebirge
jenseits  des  Inn  noch  die  rechts  oben  ausmündende  Wildschönan  vermögen  der  Gegend
jenes  freundliche  Gepräge  zu  verleihen,  die  uns  bald  darauf  bei  Wörgl  erfreut.  Dieses  ist
in  einem  weiten  Thalkessel  gelegen,  welcher  zur  Rechten  die  Kuppe  der  von  einer  Kapelle
            
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