Der Vogelweidhof bei Bozen.
Literatur in Tirol und Vorarlberg.
Deutsche Literatur.
großartige Gebirgslandschaften und flutenumspülte Seegegenden
waren von jeher die Lieblingsstütten der Dichtung. Beide regen
die Phantasie der Völker an, welche die ersteren mit Riesen und
Zwergen, die letzteren mit Nixen und Seefräulein belebt. Treten
große historische Ereignisse ein, so werden mythische Gestalten und
geschichtliche Personen miteinander in die engste Beziehung gebracht
und es entsteht die Heldensage. Unser Hochland durchfluteten zur
Zeit der Völkerwanderung deutsche Scharen von Norden nach
Süden, denn Tirol bildete die Brücke nach dem herrlichen und
ersehnten Italien. Kein Wunder, daß die deutsche Heldensage hier feste Wurzeln faßte
und in manchen Volksüberlieferungen noch bis in die Gegenwart nachklingt.
Die longobardische Sage von König Ortnit und dem Zwerge Alberich hatte sich
am Gardasee und im südlichsten Tirol festgesetzt. Die Volksepen von Ortnit und Wolf
dietrich aus dem Beginn des XIII. Jahrhunderts spielen über das alte Tridentum herauf
bis zur Drachenhöhle bei Deutschmetz. Eine Stelle des Wolfdietrich zeigt genaue Bekannt
schaft mit Trient. Zu Bern (Verona) saß der gewaltige Dietrich, der Amalungen Trost,
um dessen Haupt die deutsche Sage die reichsten Kränze gewunden hat. Er soll die Stadt
Trient mit Mauern und Thürmen bewehrt haben und von da aus öfter nach Norden