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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Tirol und Vorarlberg

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Mit nicht geringerem Erfolge wie die Wissenschaften wurde in unserem Jahrhundert 
in Wälschtirol die Dichtkunst gepflegt. Unter den Vertretern der letzteren glanzen Namen 
wie Prati, Maffei, Francesca Lutti, deren sich nicht nur ihr Geburtsland, sondern 
die ganze Nationalliteratur rühmen darf. 
Giovani Prati wurde am 27. Jänner 1814 zu Dasindo, einem armen Dorfe 
der Judicarien, geboren. Nach Vollendung der Gymnasial- und Lycealstudien in Trient 
besuchte er dem Wunsche seiner Eltern gemäß die Universität Padua, wo er sich aber 
mehr der Dichtkunst als dem trockenen Rechtsstudium widmete. Bereits Doctor der 
Rechte, vermalte er sich mit Elisa Bassi, einem vornehmen Fräulein aus Trient, welches 
alljährlich mit ihren Angehörigen in der Nähe von Dasindo die Sommerzeit zubrachte. 
Allein nur fünf Jahre dauerte das häusliche Glück, worauf Elisa mit Hinterlassung einer 
einzigen Tochter, der guten Ersilia, starb. Prati begab sich hierauf nach Padua, wo er die 
traurige Geschichte einer unglücklichen Liebe hörte, der ein wahres in Venedig geschehenes 
Ereigniß zu Grunde lag, und hierüber seine ,4ckinsli6Zaräa" mit so großer Kraft und 
natürlicher Empfindung dichtete, daß sie Tausende von Herzen höher schlagen machte und 
auch jenseits der Etsch in allen italienischen Landen volksthümlich wurde. Von da an 
beginnt der Ruf Pratis als großer Dichter, aber bald gesellte sich zum Ruhm der 
unzertrennliche Begleiter, der Neid, welcher zuerst, jedoch vergeblich, den Versuch machte, 
dem Sänger von Dasindo die Originalität abzusprechen, und sich nachher kein Gewissen 
daraus machte, selbst Pratis persönliches und häusliches Leben zu verdächtigen. Er aber 
ging darüber weg, da er sich rein fühlte, und nachdem er sich in Mailand, wo er festlich 
empfangen wurde, niedergelassen hatte, gab er dort im Jahre 1843 drei Bände neuer 
Gedichte »I kanti 4irioi", ,1 kanti per 11 4ox>o1o" und »To Lallato" heraus, welche in 
glänzender Weise zeigten, wie fruchtbar Pratis Schöpferkraft war. Prati ahmte in seinen 
Gedichten Bürger, Goethe und andere deutsche Dichter nach, welche er gerne las und 
denen er auf diese Art seine Dankbarkeit zollte. Seine Balladen durchziehen Erinnerungen 
an die alten Schlösser in Tirol und an den Sagcnschatz seiner Heimat, sowie an die Eindrücke 
seiner Kindheit. Im Jahre 1844 veröffentlichte er die ,LIomori6 6 4aerimo", eine rührende 
Elegie in Sonettenform, und mit der Widmung an seine Mutter zwei Bände ,Xuovi 
Lariti". Von Prati haben wir ferner die ,?a886°iat6 8o1itarie", ,kairti xolitiei"; drei 
große Gedichte (?06irü) ,^.rmancko", ,4oäollo" und ,^rib6rto"; ein Bruchstück eines 
solchen Gedichtes ,4a batlaAlia ck' Inmra"; eine lebhafte und zierliche satirische Dichtung 
,8atana e Io Krams"; ,11 Konto HiFa"; ,vne Sogni", zwei abenteuerliche Wan 
derungen in der elastischen Welt Griechenlands und Roms, Dichtungen von elastischer 
Schönheit; Bruchstücke einer Übersetzung der Aeneide in reimlosen Versen; eine reichhaltige 
Sammlung von Sonetten unter dem Titel ,?8ioll6" und seinen Schwanengesang ,l8icke".
	        
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