414
Prati war Senator des Königreichs Italien, Mitglied des Unterrichtsrathes und in seinen
letzten Jahren Director der ,8cuolo Lupsrioro Uorniriinilo", die von Minister De
Sanctis in Rom gegründet worden war. Er starb in Rom am 9. Mai 1884. Die Gedichte
Pratis verrathen zwei starke und tiefe Gefühle: Glauben und Freiheitsdrang. Prati war
aufrichtig gläubig. Die religiösen Verwandten und einige Unfälle in seinem Leben, welche
er der Vorsehung zuschrieb
und bei denen ernaherTodes
gefahr entgangen war, hatten
ihn glauben gelehrt.
Der vortrefflichste unter
den italienischen Dichtern,
welche sich mit Übersetzungen
befaßten, war Andrea
Maffei von Riva am
Gardasee, geboren 1800, der
in Deutschland unter dem
Namen „Der Schillerüber
setzer AndreaMaffei" bekannt
ist. In Bologna durch den
rühmlich bekannten Schrift
steller Paolo Costa schon früh
in die elastischen Schönheiten
eingeführt, wurde er von
seinem Vater ans zwei Jahre
nach München zu seinem
Oheim dem oben genannten
Giuseppe Maffei geschickt.
Hier lernte er die deutsche Sprache, deren Kenntniß den frühreifen Jüngling zum Über
setzer ans dem Deutschen ins Italienische befähigte. Im Alter von wenig über fünfzehn
Jahren verfaßte er eine poetische Umschreibung der Idyllen Geßners, die von Monti,
dem großen Meister in der Kunst des reimlosen Verses, sehr gelobt und im Jahre 1818
in Mailand veröffentlicht wurde. Jene Übersetzung wurde von den Kritikern mit dem Bei
namen ,Uim Kollo, inkeäolo" bezeichnet, aber zugleich zählten sie die zahllosen Schönheiten
auf, welche der Dichter hierin mit vollen Händen ausgestreut hatte. Im Jahre 1823
verband sich Monti mit Maffei zur Übersetzung eines Theiles der „Tunisiade" von
Pyrker. Von Monti wurde Maffei auch zu einer italienischen Übersetzung des „Messias"
Andrea Massel.