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charakteristisches Beispiel solcher Städtebefestigungen in Tirol bietet das Städtchen Glurns
im Vintschgau, dessen Thorthürme mit Wurferkern und Ringmauern noch größtentheils
erhalten sind.
Zur Sicherung der Landesgrenzen boten die von der Natur durch hohe unüber-
steigliche Felsgebirge eingeschlossenen Engpässe Gelegenheit zu Befestigungsanlagen,
worunter jene am Finstermünzpaß, sowie die ausgedehnten Befestigungswerke von
Ehrenbcrg bei Reutte noch in stattlichen Ruinen erhalten sind.
Als die Burgen am Ausgang des Mittelalters mehr und inehr ihres fortisikato-
rischen Charakters entkleidet wurden, gewannen sie an Umfang und wohnlicher Gestaltung
ihrer Jnnenränme. Solche Erweiterungen, wobei an Stelle der vordem überwiegend ein
förmigen Festungsarchitektur kunstvollere Formen treten, bilden gleichsam den Übergang
zu den Schloßbauten der späteren Zeit. Kunstsinnige Fürsten, wie Erzherzog Sigmund
und dessen erlauchter Nachfolger Kaiser Maximilian I. gingen hier im Norden des Landes,
die Fürstbischöfe von Trient und Brixen im Süden desselben mit nachahmenswerthen
Beispielen voran.
Erzherzog Sigmund erweiterte und verschönerte die von seinem Vater Herzog
Friedrich um 1452 erbaute Residenz in Innsbruck, von deren prächtiger Architektur der
heute noch erhaltene spütgothische Erker, welcher seiner vergoldeten Kupferbedachung
wegen unter dem Namen „goldenes Dachl" bekannt ist, Zengniß gibt. In rothem
Marmor ausgeführt und von schönen Verhältnissen, gehört dieses Werk, dessen archi
tektonische Profilirnng und plastische Wappenzier volle Bewunderung verdienen, zu den
hervorragendsten Denkmalen mittelalterlicher Profanarchitektur. Einzelne Details und
namentlich die Wandmalereien an der Fa^ade des Erkers stammen ans der Zeit Kaisers
Maximilian k.
Auch das trauliche Heim, welches sich Erzherzog Sigmund in dem kleinen Ansitz,
genannt die „alte landesfürstliche Burg", zu Meran erbaute, zeugt von der Kunstliebe
des Fürsten. Dieses Gebäude erhebt sich auf nahezu quadratischer Grundfläche, deren
südwestlicher Theil zum Hofraum benützt, von einer zinnengekrönten Mauer umschlossen
wird, welche den Wehrgang trägt. Bemerkenswerth sind außer der kleinen gothischen
Kapelle, welche durch ein Abschlußgitter vom Vorhaus getrennt ist, die mit gothischem
Wandgetäfel ansgestatteten Gemächer, ihre reichprofilirten Balkendecken und schön
geschnitzten Wappen über den Thüren. Dort, wo keine Holzverkleidungen die Wände
bedecken, wie im Erker, in der Kapelle und im Hofe, sind dieselben mit ornamentalen und
figuralen Darstellungen bemalt. Hierbei ist die auf Schloß Reiffenstein bei Sterzing,
Schloss Gravetsch bei Villanders und anderen tirolischen Bauten aus dem XV. Jahr
hundert übliche Manier der Darstellung des mit Figuren verschlungenen gothischen