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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Tirol und Vorarlberg

Geschick  verstand  er  hier  auch  die  räumlichen  Schwierigkeiten  zu  überwinden,  welche,  wie
das  Maßwerk  im  Tympanon  des  Hauptportals,  das  er  mit  der  meisterhaften  Darstellung
der  heiligen  Dreifaltigkeit  füllte,  ihm  bereiten  mußten.  Heinrich  Natter  (gestorben  1892)
begründete  durch  Büsten  nach  dem  Leben  und  Bildnißstatuen  seinen  Künstlerruf.  Mit
seltenem  Geschick  verstand  er  es,  wie  seine  Zwinglistatue  in  Zürich  beweist,  historische
Persönlichkeiten  mit  individueller  Charakteristik  darzustellen.  In  Bozen  verewigte  sich  der
Künstler  durch  das  Denkmal  des  ritterlichen  Sängers  Walther  von  der  Vogelweide,  dessen
Geist  und  Charakter  in  der  Marmorfigur  zu  glücklichem  Ausdruck  gebracht  erscheint.
Rätters  letztes  bedeutende  Werk  ist  das  monumentale  Erzbild  Andreas  Hofers.
Von  unseren  aus  der  Wiener  Schule  hervorgegangenen  Bildhauern  seien  noch
erwähnt  der  Hierlands  durch  seinen  Einfluß  bekannte  Bildhauer  Michael  Stolz  und  Franz
Pendl,  ein  würdiger  Nachfolger  seines  Vaters  Josef  Pendl,  welcher  durch  seine  kirchliche
Plastik  einen  ehrenvollen  Namen  sich  gesichert  hat.
Die  stattliche  Reihe  tirolischer  Künstler  und  die  Summe  ihrer  Leistungen  in  alter
wie  in  neuer  Zeit  erfüllen  uns  mit  berechtigter  Freude,  aber  schmerzlich  ist  es,  an  die
Armuth  des  Landes  zu  denken,  welche  vielleicht  eine  noch  viel  größere  Zahl  von  Talenten
im  Aufkeimen  ersticken  mußte,  während  ein  anderer  Theil  der  Berufenen  nur  im  Kampfe
mit  der  Noth  des  täglichen  Lebens  auf  der  betretenen  Bahn  der  Kunst  sich  erhalten  konnte.
Aunst-  und  Hausindustrie  in  Tirol  und  Vorarlberg.
Aus  vergangenen  Jahrhunderten  sind  in  Tirol  noch  zahlreiche  Erzeugnisse  des
Gewerbfleißes  erhalten,  welche  die  hohe  Stufe  der  älteren  kunstgewerblichen  Production
dieses  Landes  erkennen  lassen.  Viel  geringer  sind  die  Spuren  alten  Kunsthandwerks  in
Vorarlberg,  einem  Lande,  in  dem  von  jeher  die  Textilindustrie  vorherrschend  gewesen  ist.
Unter  den  mannigfaltigen  Materialien,  deren  sich  tirolische  Kunsthandwerker
bedienten,  waren  es  von  altersher  die  von  der  Natur  dem  Lande  im  reichlichsten  Maße
gebotenen,  welche  vorzugsweise  zur  Verarbeitung  gelangten,  nämlich  im  Süden  der
Marmor  und  im  Norden  das  Holz.
Die  in  Südtirol  gepflegten  Techniken  der  Marmorbearbeitung  standen  naturgemäß
zumeist  im  Dienste  der  monumentalen  Architektur,  ähnlich  wie  in  Italien,  und  gehören
als  handwerksmäßig  hervorgebrachte  Werke  der  decorativen  Plastik,  Marmorincrustationen
und  dergleichen  in  das  weite  Gebiet  des  Kunstgewerbes.  In  den  nördlicheren  Gegenden
Tirols  dienten  die  in  umfangreicherer  Weise  betriebenen  Arten  der  Holzbearbeitung  als
Tischler-,  Drechsler-,  Holzschnitz-  und  Intarsia-Arbeiten  vornehmlich  zur  Ausschmückung
und  wohnlichen  Gestaltung  der  Jnnenräuine.  Hervorragende  Leistungen  dieser  kunstindustriellen ­
  Richtung  sind  in  Tirol  seit  dem  XV.  Jahrhundert  durch  alle  Stilperioden  in
            
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