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nicht aufmontirter Filigrantechnik gearbeitet, bei welchen in der Regel naturalistische
Blumen und Blätter als Ziernwtive nachgebildct werden.
Wahrscheinlich bestanden zu Hall in Tirol, woselbst vor einem Decennium noch eine
Anzahl von Blödeln zur Herstellung plastisch gezierter Ofenkacheln im Stil der Renaissance
aufgefunden winde, und auch im Süden des Landes in der Gegend von Trient und
Meran einst Werkstätten für Thonwaaren- und Majolikenerzeugung; doch ist
bisher nicht mit Sicherheit constatirt, wo sich der Sitz jener ausgedehnten Industrie befand,
welche das ganze Land mit jenen prächtigen Kachelöfen, Thon- und Majolikafliesen versorgte,
die heute noch vielfach anzutreffen sind. Thonfliesen mit vertieftem Ornament und
ein reich mit spätgothischen Reliefs gezierter Kachelofen sind in der „landesfürstlichen
Burg" zu Meran; mehrere Öfen mit schon gezierten Majolikakacheln finden sich in Mezzo-Tedesco
und im Schloß Velthurns bei Brixen, und auch die aus Südtirol stammenden
schönen Kachelöfen im kaiserlichen Lustschloß Ambras sind außer jenen, welche sich noch
zahlreich in tirolischen Bauernhäusern vorfinden, schöne Repräsentanten dieser Knnstindustrie
aus dem XVI., XVII. und XVIII. Jahrhundert. Im Kastell „Lnon Lonm^Iiozu
Trient waren seit dem XVI. Jahrhundert die Gewölbe einiger Räumlichkeiten mit
ornamentalen und figürlichen Reliefs aus Terracotta geziert, desgleichen einige Fußböden
mit schönen Majolikafliesen, von welchen noch Fragmente im Vlnsoo eivico zu Trient
erhalten sind.
Über die Erzeugung feinerer Glaswaaren in Tirol finden sich auch urkundliche
Nachrichten. Die von Wolf Vitl um 1542 gegründete Glashütte zu Hall, von deren
Erzeugnissen noch einige Pokale in jener Stadt erhalten sind, fand die lebhafte Unterstützung
Erzherzogs Ferdinand II., obgleich dieser Fürst für seinen Hofhalt sich eines
eigenen „wälschen Gtaßmachers" bediente. Die Haller Glashütte erzeugte „zierlich
glaßwerk auf venedigisch art." Auch die heute noch bestehende Glashütte zu Kramsach bei
Brixlegg stammt aus der zweiten Hälfte des XVI. Jahrhunderts und die einst bestandenen
Hütten zu Tione und Pinzolo dürsten gleichfalls älteren Ursprungs gewesen sein.
Die hervorragendsten Werke textiler Kunst in Tirol, von denen im Lande nur
wenige Beispiele aus alter Zeit noch erhalten sind, beziehen sich größtentheils auf die
Auszier von Kirchengewändern und waren häufige Arbeiten frommer Stifterinnen für
Kirchen und Klöster. Zur Zeit Kaisers Max I. bestand übrigens auch eine Tapisserie zu
Innsbruck, als deren Vorstand der Seidensticker Leonhard Straßberger fungirte. Die
hohe Blüte, welche die Seidenindustrie in Südtirol unter Erzherzog Ferdinand II. erreicht
hatte, läßt außer der Erzeugung von Seiden- und Sammtstoffen zu Rovereto und Trient,
welche urkundlich erwiesen ist, auch den Betrieb der Seidenstickerei im Süden des Landes
vermuthen.