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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Tirol und Vorarlberg

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Wir  finden  daselbst  das  Rind  beinahe  ausschließlich  für  Milchgewinnung  und  Arbeitsleistung, ­
  also  vorzugsweise  als  Gebrauchsthier  gehalten  und  nur  selten  oder  blos
gelegentlich  für  Zuchtzwecke  in  Verwendung.  Es  ist  daher  in  der  Region  der  weinbautreibcnden
  Thüler  und  zum  Theile  selbst  noch  in  den  Mittellagen  des  Gebirges  von
Hornvieh-Zuchtwirthschaft  nicht  zu  sprechen.  Diese  ist  erst  in  den  höheren  Stufen  der
Hauptthüler  sowie  in  den  Bergrevieren  der  davon  abzweigenden  Neben-  und  Seitenthaläste
  zu  Hause,  wird  dort  aber  umso  intensiver  betrieben,  als  das  ausgedehnte  Nutzhaltungsgebiet ­
  ein  ebenso  sicherer  als  bequemer  Abnehmer  für  die  Zuchtproducte  der
Hochlandschaften  ist.
Ter  Race  und  Beschaffenheit  nach  ist  das  Rindermateriale  der  südtirolischen  Zuchträume ­
  von  mehrfacher  Verschiedenheit.  Im  tieferen  Pusterthal,  dann  im  Tauferer-  und  Arnthal
  herrscht  der  schwere,  vornehmlich  kastanienbraune  bis  rußschwarze,  mit  unregelmäßigen
weißen  Zeichen  und  Flecken  ausgestattete  Unterpusterthaler  Schlag  oder  die
Pusterthal-Duxer  Race.  Äußerst  gedrungene  und  breite,  stämmige  Körperformen,  robuste
Gesundheit  und  leichte  Ernährbarkeit  lassen  die  Angehörigen  des  genannten  Rindertypus
vor  Allem  als  Fleischvieh  werthvoll  erscheinen,  wie  denn  auch  heute  noch  die  schwersten
und  fettesten  Mastochsen  aus  den  angeführten  Gegenden  kommen.  Im  Oberland  (Bezirk
Welsberg),  sowie  auf  den  höheren  Bergstufen  und  in  einigen  Seitenhochthälern  der
westlichen  Fraction  des  Hauptthals  ist  der  an  den  Drau-Jselthaler  Schlag  Osttirols  sich
anschließende  Hochpnsterthaler  Schlag  verbreitet,  welcher  als  eine  constant  gewordene
Mischlingsform  zwischen  dem  Pusterthal-Duxer  und  dem  Pinzgau-Möllthaler  Racetypus
ebenso  ebenmäßig  gestaltete  als  hervorragend  tüchtige  Melk-  und  Arbeitsthiere  liefert,
die  auch  in  Bezug  ans  Frühreife  und  Mastfähigkeit  sehr  Befriedigendes  leisten.
Dem  Oberlaufbereich  des  Eisackflusses  ist  unter  dem  Namen  des  Wippthaler  oder
Sterzinger  Viehes  ein  mit  der  silbergrauen  Stammrace  des  Etschthals  blutsverwandter
Schlag  von  Hornvieh  eigen,  der  gleich  gut  zum  Zuge  wie  zur  Milchwirthschaft  geeignet
erscheint  und  in  dieser  doppelten  Qualification  namentlich  für  die  südtirolischen  Nutzhaltungsdistricte
  von  größter  Bedeutung  ist.
Als  Stammreviere  der  Etschthaler  Race  sind  zu  bezeichnen  Obervintschgau,  Ulten,
Passeier-  und  Sarnthal  in  Dentschtirol,  dann  das  Fleimsthal,Primiero  und  der  obere  Nonsberg
  in  Wälschtirol.  Die  kräftige  Ausbildung  des  Knochengerüstes,  die  sehnige  Muskulatur,
die  robuste  Körperconstitution  und  das  lebhafte  Temperament  lassen  über  die  hervorragende ­
  Eignung  des  Etschthaler  Viehes  für  den  Znggebrauch  keinen  Zweifel  aufkommen.
Die  senkrechte  Körperhöhe  erreicht  bei  Etschthaler  Racekühen  durchschnittlich  135Centimeter,
welcher  eine  Rumpflänge  von  157  Centimeter  und  ein  Körpergewicht  von  420  Kilogramm
entspricht.
            
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