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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Tirol und Vorarlberg

berg vorüber in sanfter Steigung am Stillebach hin, in anderthalb Stunden zum 
Reschenscheideck, der Wasserscheide zwischen Inn und Etsch, 1.494 Meter über dem 
Meere gelegen. Sie fällt hierauf allmälig in sanften Abstufungen gegen Süden und 
Südosten ab, zur Rechten die Firnenmauer der Laaser- und Ortlergruppe bietend, eine 
Zier und der Stolz der sonst so eintönigen Landschaft. Der erste Ort, Reschen am 
Reschensee liegt nahe am Ursprung der Etsch, dann gehts den See entlang nach Graun, 
einem ärmlichen Orte an der Mündung des verheerenden Carlinbachs und des Lang- 
taufererthals, das sich in einer Länge von vier Stunden gegen die Hochdome der 
Ötzthalergruppe hinanzieht; dahinter ragt in einem malerischen Amphitheater die Weißkugel 
(3.741 Meter) empor; am Thalschluß lagert die Alpe Malag in üppigem Wiesenplan. 
In großartiger Thallandschaft erscheinen der Mittersee und St. Valentin auf der 
Haid nahe am Haidersee, schon 1140 für Wanderer als Hospiz gegründet; zwischen den 
Mündungen des Plawen- und Schlinigthals liegen das Schloß Fürstenberg und die 
stattliche Benedictinerabtei Marienberg; tief drinnen im Hintergrund winken die himmel 
anstrebenden Eiszacken des Ortler. Einst hat man diese Gegend als die berüchtigte 
Malserhaide bezeichnet; heute grüßt uns da ein freudig grünendes Thalbecken voll der 
herrlichsten Landschaftsbilder! 
Vor Mals und Glurns werden bereits die Ruine Fröhlichsburg, die Feste Trost 
thurm und die Burg Lichtenberg sichtbar. Südwärts mündet das ruinenreiche Taufererthal 
auf dem rechten, und auf dem linken Etschufer das Matscherthal aus, das vom Salurnbach 
durchflossen wird, einst Sitz der mächtigen Grafen von Matsch. Über sammtweichen 
Fluren führt zwischen üppigen Lärchen- und Zirbelwäldern ein Pfad tief hinein ins 
schön umrandete Thal nach dem Oberettengletscher, die kürzeste Verbindungslinie zwischen 
dem Ötzthal und dem Vintschgau. Mit herrlichen Ausblicken aus den Ortler, der von nun 
ab in königlicher Würde die Gegend beherrscht, erreichen wir Eyers. Bald verengt sich das 
Thal, indem zur Linken die Wände des Weißkugelgrates, zur Rechten die der Tschenglser 
Fernerwand fast senkrecht aufgethürmt sich nähern. In einer Stunde ist Laas erreicht, 
dessen berühmte Marmorbrüche ans der Nordseite der Jennewand tief im Laaserthal 
gelegen sind. Hinter der unteren Laaseralpe erhebt sich in großartiger Umgebung die in 
zwei Arme niederfallende Fernerwand, eine Zunge des ausgedehnten Laasergletschers. 
Nun zieht die Fahrstraße etwas ansteigend über den Riesendamm der Gadria — und wie auf 
einen Zauberschlag liegt das rauhe Hochthal hinter uns und wir betreten ein Stück 
italienischer Gefilde: die Vegetation im freudig grünen Wiesenschmelz verräth südliche 
Luft, mächtige Kastanienbäume wechseln mit saftigen Föhren, üppige Reben belauben die 
Hügel, zwischen Weingärten und Auen erheben sich ans dem grünen Mittelgebirge 
zerstreute Bauernhöfe und Villen, auf trotzigen Felskegeln ragen vergessene Reste prächtiger
	        
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