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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Tirol und Vorarlberg

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bei  Bozen,  sowie  im  Gelände  von  Mezzolombardo  einen  durchlassenden  schottrigen
Untergrund  besitzen  und  gleichzeitig  genügend  Wasser  vorhanden  ist,  um  die  Rebgründe
im  Sommer  während  der  trockensten  und  wärmsten  Zeit  entsprechend  zu  bewässern.
Überdies  wäre  noch  der  Glimmer-  und  Kalkschieferböden  des  Valsugana  und  der  Mergelböden ­
  des  Nonsthals  zu  gedenken.
Der  Weinbau  erhebt  sich  in  Südtirol  bis  zu  700,  ja  an  einzelnen  Punkten  bis  zu
900  Meter  über  die  Meeresfläche.  Das  Klima  Südtirols  ist  dem  Weinbau  im  Allgemeinen
günstig.  Die  durchschnittliche  Jahrestemperatur  des  Etschthals  betrügt  11  bis  12  Grad
Celsius.  Der  Sommer  ist  zumeist  sehr  warm  und  es  gelangen  bei  schönem  Herbst  auch
sehr  spätreifende  Traubensorten  noch  genügend  zur  Reife.  Der  Winter  ist  meist  mild,  nur
selten  und  meist  auch  nur  vorübergehend  sinkt  die  Temperatur  unter  5  Grad,  äußerst
selten  auf  11  Grad  Celsius  unter  Null  herab.  Ein  kleiner  Theil  des  Landes,  die  Gegend
um  den  Gardasee  und  das  Sarcathal,  zeigen  sogar  ein  der  Riviera  ähnliches  Klima,  so
daß  dort  der  Olivenbaum  mit  Vortheil  cultivirt  werden  kann.  Trotzdem  tritt  in  manchen
Lagen  im  Winter  Rebtod  ein.  Seltener  sind,  von  den  höher  gelegenen  Thälern  abgesehen,
psiühjahrvfröste  zu  befürchten,  doch  haben  auch  solche  in  einzelnen  Jahren,  wie  znm  Beispiel
1875,  sehr  großen  Schaden  verursacht.
Für  den  Weinbau  nicht  sehr  günstig  ist  die  Größe  und  die  Vertheilung  der  Niederschläge ­
  im  Etschthal.  In  St.  Michele  schwankte  der  Jahresniederschlag  in  den  letzten
15  Jahren  von  570  bis  1.371  Millimeter  und  beträgt  im  Durchschnitt  dieser  Periode
1.044  Millimeter.  Nicht  weniger  als  sechsmal  während  des  letzten  Decenniums:  in  den
Zähren  1882,  1885,  1888  (zweimal),  1889  und  1890,  überfluthete  die  Etsch  weite  Thalftächen.
  Besonders  ungünstig  für  den  Weinbau  ist  zudem  noch  die  Vertheilung  des  Niederschlags. ­
  Zumeist  sind  es  die  Monate  Mai  und  Juni  und  die  Herbstmonate  September  und
October,  in  welchen  länger  andauerndes  Regenwetter  eintritt,  während  in  den  Sommermonaten ­
  Juli  und  August  nicht  selten  die  Reben  in  manchen  Lagen  selbst  durch  übermäßige
Wärme  und  Trockenheit  zu  leiden  haben.  Die  Herbstregen  zwingen  oft  zu  früher  Lese,  da
sonst  die  Trauben  der  Fäulniß  anheimfallen;  Spätlesen  wie  am  Rhein  und  die  Gewinnung
stocksüßer  Cibeben  wie  in  der  Hegyalja  sind  in  Tirol  ganz  unmöglich.
Das  gleichzeitig  warme  und  feuchte  Klima  des  Etschthals  begünstigt  auch  ganz
außerordentlich  die  Entwicklung  pilzlicher  Parasiten.  Die  sogenannte  Traubenkrankheit
(Oläiuirr  TuMei-i)  drohte  in  den  Fünfziger-Jahren  den  Weinbau  Tirols  geradezu  zu  vernichten, ­
  bis  endlich  vom  Jahre  1862  an,  namentlich  durch  die  eifrige  Thätigkeit  des  Bozener
„Schwefelapostels"  Comini,  der  Gebrauch  des  Schwefelpulvers  zur  Bekämpfung  der
Krankheit  sich  verallgemeinerte  und  1865  wieder  von  einem  normalen  Erträgniß  gesprochen
werden  konnte.
            
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