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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Tirol und Vorarlberg

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bei Meran, der Kreuzbichler, Magdalena und Leitacher, der Terlaner Riesling, die Weine 
von St. Michele, die Weine von Maderno, Castel Aquila, St. Donato bei Trient, die 
Negraraweine von Calliano, die Weine von Jsera, Villa und Marano bei Rovereto, 
endlich die vorzüglichen Dessertweine des Castel Toblino im Sarcathal. 
In Vorarlberg gelten als beste Weinlagen jene von Ardetzenberg, Kaps, Blasen 
berg, Gais, Vaduz, Bock und Gntenberg. 
Die Seidenzucht ist namentlich für Wälschtirol einer der wichtigsten Cultnrzweige 
geworden und hat da auch heute noch eine große Bedeutung, während sie sich in Deutsch 
tirol nie allgemein einbürgerte und heute wohl nur in jenen Ortschaften noch gepflegt 
wird, welche einen starken Procentsatz an italienisch sprechender Bevölkerung aufweisen, 
wie dies zum Beispiel in Salurn, Branzoll, Leifers, Gargazon und anderen Orten der 
Fall ist. Diese eigenthümliche Erscheinung steht wohl in engem Zusammenhang mit der 
verschiedenen Lebensweise und den verschiedenen Sitten und Gebrauchen der deutschen 
und italienischen Bevölkerung. Im italienischsprachigen Landestheil mag auch das dort 
herrschende System der Ne^aäi-ia (Halbbau) wesentlich zur Erhaltung und Förderung 
der Seidenzucht beitragen. 
Über die Einführung des Seidenbaues in Südtirol sind uns nur wenige geschichtliche 
Thatsachen bekannt. Die ersten Maulbeerbaume sollen unter der Regierung der Republik 
Venedig im Jahre 1416 im Stadtbezirk von Rovereto gepflanzt worden sein. Ans 
einer Verordnung des Dogen Lorenzo Loredano von Venedig ist zu ersehen, daß in 
Ala, das damals ebenfalls zur Republik Venedig gehörte, der Seidenbau im Jahre 
1505 schon ziemlich ausgedehnt war. Im Jahre 1548 entstand im jetzigen Südtirol 
das erste Filatorium, die erste Seidenspinnerei. In Trient hat sich die Seidenzucht 
etwas später eingebürgert, da die Stadt der Fürstbischöfe den Anregungen des Handels 
verkehrs weniger zugänglich war als Rovereto, Ala und Riva. Im Nonsthal bürgerte 
sie sich erst zu Anfang dieses Jahrhunderts ein und in Primiero wurde sie erst 1860 
eingeführt. 
Im Jahre 1667 war die Seidenzucht schon so verbreitet und die Ernten an Cocons 
(auch Galette genannt) waren so bedeutend, daß sich die Gemeinde Rovereto veranlaßt 
sah, jährlich einen bestimmten Normalpreis unter dem Namen »tnssn äm bo^oIU zu 
bestimmen, welcher zwar nicht rechtlich bindend war, aber doch die Grundlage für den 
Coconshandel bildete. 
In den Jahren 1848 bis 1852 stand die Seidenzucht in Tirol in höchster Blüte. 
Sie war für den italienischsprachigen Landestheil unstreitig der wichtigste Erwerbszweig. 
Wer Laub hatte, war sicher, auch Cocons zu erzielen. Der Same, die Eier des Seiden 
spinners wurde ohne viele Umstände und Vorsichtsmaßregeln von den Bauersfrauen
	        
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