Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Tirol und Vorarlberg

579

37»

in  den  Gemeinde-  und  kleinen  Privatwaldungen  die  heute  noch  übermäßig  geübte  Weideund
  Streunutzung  eingeschränkt  und  überhaupt  der  Erziehung  von  Nutzholzbeständen
mehr  Pflege  zngewendet  würde.  Von  welcher  Bedeutung  eine  solche  Erhöhung  der  Nutzholzproduction
  für  das  Einkommen  des  Landes  sein  müßte,  geht  daraus  hervor,  daß
heute  das  in  größter  Menge  zur  Ausfuhr  gelangende  Fichtennutzholz  an  den  Ausfuhrstellen
  durchschnittlich  einen  Werth  von  sechs  bis  zehn  Gulden  Pro  Festmeter  reprasentirt,
wovon  etwa  die  Hälfte  als  Holzwerth  zu  rechnen  ist  und  die  andere  Hälfte  auf  Arbeitsverdienst ­
  und  Frachtkosten  entfällt.  Den  Hauptausfnhrartikel  bilden  die  Sägehölzer,  in
Tirol  allgemein  „Musel"  genannt,  theils  als  solche  im  rohen  Zustande,  theils  in  Form
des  daraus  erzeugten  Schnittmaterials.  Mit  der  Erzeugung  von  Brettern  und  sonstigem
Schnittmaterial  sind  in  Tirol  fünf  Dampfsägen  mit  34  Bundgattern  und  1472  einfache
Wassersägen,  in  Vorarlberg  eine  Dampfsäge  (in  Hard  am  Bodensee)  mit  sechs  Bundgattern ­
  und  227  Wassersägen  beschäftigt.  An  sonstigen  Zweigen  der  Holzindustrie  sind  zu
nennen  in  Tirol  die  Erbauung  von  Schiffen  und  Zillen  am  Inn,  welche  jedoch  gegen  früher
erheblich  zurückgegangen  ist,  die  Zündholzfabrication,  wofür  sechs  Fabriken  im  Lechthal,
Pusterthal  und  Ampezzo  bestehen,  die  Erzeugung  von  Holzwolle  (besonders  in  St.  Johann),
dann  von  Peitschenstielen  aus  den  Schößlingen  des  Zürgelbaumes  in  Tajo  (Nonsthal),
die  Holzschnitzerei  in  Gröden,  welche  zumeist  Zirbenholz  verarbeitet,  die  Fonrniererzeugung
(in  Trient),  endlich  die  Korbflechterei  in  Cles  und  Proveis;  in  Vorarlberg  eine  Holzspulenfabrik ­
  in  Feldkirch  und  die  Erzeugung  von  Krauthobeln  im  Montafonerthal.
Die  Holzverkohlung  hat  früher  einen  namhaften  Betriebszweig  der  Forstwirthschaft
gebildet,  sie  ist  jedoch  durch  den  Rückgang  der  Eisenindustrie  und  die  Verwendung
von  Steinkohlen  für  dieselbe  sehr  wesentlich  eingeschränkt  worden;  immerhin  bestehen
noch  für  ihren  Betrieb  in  Tirol  zehn  und  in  Vorarlberg  zwei  ständige  Meilerkohlungen
nebst  zahlreichen  kleinen  nicht  ständigen  Kohlstätten.  An  Stelle  der  Verwendung  des
schwächeren  Holzes  zur  Kohlung  ist  nunmehr  zum  Theile  die  Erzeugung  von  Holzstoff
zur  Papierfabrication  getreten,  wofür  bereits  vier  Etablissements,  und  zwar  eine  Cellulosefabrik ­
  (für  Erzeugung  auf  chemischem  Wege)  in  Wörgl  und  drei  Holzschleifereien  in
Jenbach,  Absam  und  Imst  errichtet  worden  sind.
An  der  Waldarbeit  nimmt  in  Tirol,  nachdem  hier  der  Wald  sozusagen  Eigenthum
Aller  ist,  auch  die  ganze  ländliche  Bevölkerung  neben  der  Feldarbeit  Antheil;  ein  eigentlicher, ­
  handwerksmäßig  gebildeter  Stand  von  Holzknechten,  Triften,  oder  Köhlern,  wie  er
in  anderen  Alpenländern,  namentlich  in  Obersteiermark  und  dem  Salzkammergute  sich
findet,  hat  sich  nur  in  einigen  der  größeren  Staatswaldcomplexe,  wie  Brandenberg,
Thiersee  und  Achenthal  herausgebildet,  weicht  aber  auch  dort  mehr  und  mehr  der  freien
Betheiligung  an  diesen  Arbeiten.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.