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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Tirol und Vorarlberg

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Arbeitsverdienst.  Zu  Lustenau,  Höchst,  Wach  und  noch  in  vielen  anderen  Orten  im
Bregenzerwald,  dessen  Bewohner  im  Sommer  vielfach  als  Gypser,  Steinhauer  und
Maurer  nach  Frankreich  ziehen,  um  im  Winter  wieder  heimzukehren  und  mit  der  Stickerei
etwas  zu  verdienen,  findet  man  fast  in  jedem  Hause  eine  Stickmaschine,  deren  Betrieb
entweder  den  einzigen  Erwerbszweig  der  Bewohner  ausmacht  oder  ihnen  doch  während
der  Zeit,  die  nicht  durch  landwirthschaftliche  Arbeit  ausgefüllt  ist,  ein  mehr  oder  weniger
lohnendes  Nebeneinkommen  bietet.  Heute  verdient  sich  ein  Sticker  —  die  Arbeit  wird  nach
der  Anzahl  der  gemachten  Stiche  bezahlt  —  2  bis  2^/s,  selbst  3  Francs.
Die  Plattstich-  und  Schifflimaschine,  1870,  beziehungsweise  1883  eingeführt,
erfordert  mit  Ausnahme  des  Einfädelns,  wozu  Heranwachsende  Mädchen  verwendet  werden
(Fädlerinnen),  männliche  Bedienung,  und  demgemäß  hat  die  Zahl  der  männlichen  Arbeiter
in  dieser  Industrie  außerordentlich  zugenommen.  Approximativ  wird  die  Zahl  der  Stickmaschinen ­
  ans  5.600  geschützt,  das  heißt  es  kommt  auf  je  20  Personen  eine  Stickmaschine,
woraus  man  am  besten  die  Ausdehnung  und  den  Charakter  der  Stickerei  beurtheilen  kann.
Von  diesen  Maschinen  sind  2.500  Kettenstich-,  3.000  Plattstich-  und  100  Schifslimaschinen.
Das  in  den  Stickmaschinen  angelegte  Kapital  beträgt  circa  fünf  Millionen  Gulden.
Die  Kettenstichstickerei  erzeugt  hauptsächlich  Vorhänge,  ferner  die  speciell  für  Indien
bestimmten  sogenannten  Colonnen  (in  schrägen  Streifen  bestickte  Mousseline),  außerdem
noch  einige  Specialitäten,  wie  goldgestickte  Teppiche.  Die  Plattstich-  und  Schifslimaschinen
liefern  Confectionsartikel:  Weißstickereien,  ein-  und  mehrfarbige  Roben,  daneben  v  erschiedene
Specialitäten,  wie  Decken,  Taschentücher,  Cravatten,  Vorhüngestoffe,  Luftstickereien  rc.
Das  Hanptabsatzgebiet  der  Stickerei-Industrie  ist  Nordamerika,  ferner  England  und
Frankreich,  die  übrigen  europäischen  Staaten,  der  Orient,  Indien  und  Südamerika.
Was  endlich  die  anderen  Zweige  der  Textilindustrie  anbelangt,  so  ist  die  Seidenband- ­
  und  Seidenfoulard-Fabrication  durch  drei  große  Etablissements  vertreten;  in
Bregenz  wurde  vor  zwei  Jahren  eine  Fabrik  für  Schafwoll-Wäsche  und  -Kleider  (Jäger'sche
Normalwäsche),  in  Hörbranz  eine  ziemlich  ausgedehnte  Filzfabrik  in  Betrieb  gesetzt.
Aus  diesen  kurzen  Ausführungen  geht  hervor,  daß  die  Textilindustrie  in  der  That
die  charakteristische  Industrie  Vorarlbergs  ist.  Daneben  besteht  aber  noch  eine  stattliche
Reihe  anderer  industrieller  Etablissements,  deren  Zahl  sich  insbesondere  im  letzten
Decennium  sehr  vermehrt  hat  und  die  znm  großen  Theile  Fabricationszweige  betreiben,
die  früher  im  Lande  unbekannt  waren.  Kurz  znsammengefaßt  zählt  Vorarlberg  —  wobei
theilweise  von  kleineren  Unternehmungen  abgesehen  wird  —  zwei  Eisengießereien,  eine
Drahtstiftenfabrik,  zwei  Maschinenfabriken,  eine  sehr  interessante  Uhrenfabrik  in  Bregenz
mit  Dampfbetrieb  und  140  Arbeitern,  welche  täglich  350  Stück  Wecker  und  Regulateure
erzeugt,  173  Sägewerke,  45  Gerbereien,  darunter  eine  sehr  bedeutende  in  Bregenz,  welche
            
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