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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Tirol und Vorarlberg

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Das nach rechts sich wendende Thal erschließt nun vor uns allmalig eine mit 
Ortschaften sehr reich besetzte Landschaft. Von Calliano weg gelangen wir am Castel 
Pietra (Stein) unter einer brüchigen Felsenwand vorbei znm alten Dorfe Volano, 
jenem eastrnin Volnonos des Paulus Diaconns, welches die Franken im Jahre 590 
zerstörten. Der Ableitung des Namens vom lateinischen nvellgnas, Haselnüsse, entspricht 
auch der Umstand, daß die Deutschen den Ort in älterer Zeit Nußdorf nannten. Ein 
unscheinbarer runder Hügel zwischen der Eisenbahn und dem Dorfe heißt Destor, das ist 
äeeem tnrres, ein Schloß mit zehn Thürmen, welches einst dort gestanden sein soll. Von 
Volano weg zieht die Straße über eine lange Terrasse, welche nach Westen zur Etsch hin 
mit einem langen Rain abfällt, nach Osten aber von einem scheinbar vom Monte 
Finonchio abgelösten Höhenzug überragt wird, an einem alten Kirchlein Sant Jlario, 
wo einst ein Hospiz und Priorat bestand, vorbei nach Rovereto. Hier, zwischen Volano 
und Rovereto, lag einst jenes „Lagare", das ist Lager, nach welchem bei Paulus 
Diaconns ein „eomes llanZodarckornrn äo ImFnro Un^ilo nomms", welcher 575 im 
Kampfe gegen die Franken fiel, benannt ist, ein Lager, welches wohl schon in römischer 
Zeit für Hilfs- und Landtruppen bestanden haben kann und von dem das Lagerthal später 
seinen Namen erhalten hat. Es fehlt nicht an Funden; noch viel mehr, als er dem Lichte 
bereits wiedergegeben, mag dieser Boden noch in seinen Tiefen bergen. 
Die Stadt Rovereto liegt links, seitlich in einem anmuthigen Winkel des hier 
ziemlich breiten Etschthals zu beiden Seiten des aus einer Thalschlucht hervorfließenden 
Leno. Sie ist neueren Ursprungs, wie das sie überragende, etwa um 1300 erbaute Schloß 
(jetzt Kaserne), welches mit einem runden Basteithurm vom Leno her einen hübschen 
Anblick gewährt. Sie hat zwei breite Straßen, die eine, den Corso, von Norden her, die 
andere neu angelegte vom Bahnhof weg zum Postgebäude, an welcher links in einer 
weiten Mauerhalbnische das große Marmorstandbild des Philosophen Antonio Rosmini- 
Serbati steht; sonst sind die Straßen nach mittelalterlicher Art meist krumm und enge. Es 
gibt da manche wohlgebaute Häuser, auch einige, die Palazzi heißen, mehrere gefällige 
Kirchen, einen Stadtthurm, dessen Glocke heute die lernbegierige Jugend mit schmeichelnden 
Klängen znm Besuch der Schulen ladet, während sie einst die Bürger zu Versammlungen 
rief, viele Filanden und Filatorien, von denen beim heutigen Verfall der Seidenzucht die 
meisten außer Betrieb stehen, einige neue Fabriken, sonst aber nichts, was besonders 
auffällt. Durch die Seidenzucht, deren Blüte vom Beginn des vorigen Jahrhunderts bis in 
die Mitte des gegenwärtigen anhielt, ist die Stadt bedeutsam und reich geworden, während 
nun ein bedauerlicher auch die Volkszahl allmälig mindernder Rückgang eingetreten ist. 
Wie Trient seine Fersina, hat Rovereto seinen Leno. Mit der Triebkraft seines 
Wassers ein gefälliger Diener, aber, wenn ihn, wie im Herbst 1882, Regengüsse
	        
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