MAK

Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Tirol und Vorarlberg

schimmern und glänzen dieselben wie blankes Silber. Es fehlt ihnen aber auch poetische 
Verklärung nicht: denn die größte Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß sie jener Bergsturz 
sind, welchen Tante selbst geschaut und in den ersten Terzinen des zwölften Gesanges 
der Hölle so treffend beschrieben hat. Man dars dabei annehmen, daß er einige Zeit bei 
Wilhelm von Castelbarco, welcher zu den Herren della Scala in Verona, den Gönnern des 
großen Dichters, in engen sreundschastlichen Beziehungen stand, aus Lizzana verweilt hat. 
Nun zur westlichen Thalseite. Zunächst liegt in der Thalebene von oben herab eine 
Reihe von Dörfern, die zum Theil recht stattlich aussehen, wie Nomi, in geschützter Lage 
Pomarolo, Villa Lagarina, Nogaredo und, Rovereto gegenüber, etwas erhöht 
das weinberühmte Jsera. Über Villa Lagarina liegt auf der zweiten Bergstufe das Dorf 
Pedersano, über diesem aus der dritten Castellano. Auch zwischen Villa Lagarina und 
Jsera liegen verschiedene Dörfer weit hinauf zerstreut. Darüber erheben sich rauhes 
Gebirge, über einander gelegte Berggesimse, zu oberst an der Ecke des nach Westen 
nmbiegenden Hauptgebirgszuges der steile Monte Stivo (2.044 Meter). Zwischen 
Rovereto und Jsera liegt am linken Etschufcr das ansehnliche Dorf Sacco, einst Schiffs 
lände, heute mit einer großen Tabakfabrik. An Schlössern fehlt es diesem schönsten Theile 
des Lagerthals auch nicht. Hoch über Chiusole bei Pomarolo ragen noch einige Mauern 
der 1507 zerstörten Burg Castel Barco, des Stammsitzes des einst das Lagerthal 
beherrschenden gleichnamigen Dynastengeschlechts, welches noch heute in einem fürstlichen 
und einem gräflichen Zweige in Italien fortblüht. An der Südeckc des von unten wenig 
sichtbaren Dorfes Castellano steht ebenfalls ein Schloß, dessen breiter mächtiger Eckthurm 
aber vor einigen Jahren eingestürzt ist. Über Nogaredo liegt aus einem grünen Hügel da^ 
unansehnliche Castelnuovo; südwärts vom hochgelegenen Patone starren auf ungeheuren 
Felsentrümmern, der dahinter aufsteigenden Felsenwand vorgelagert, die Ruinen von 
Castel Corno. Südöstlich unter Jsera erhob sich auf einer Felsentuppe über der Etsch 
das einst bischöfliche Schloß Pradaglia, von welchem heute auch nur noch schwarze von 
Bäumen und Gebüschen umwachsene Mauern übrig sind. Um wie viel charakteristischer 
mag die Gegend im späteren Mittelalter ausgesehen haben, als diese Schlösser mit ihren sie 
umgebenden und von ihnen anslanfenden Mauern und ihren hohen Thürmen der Landschaft 
ihr besonderes Gepräge ausdrückten! Heute ist all jene Pracht dahin, aber die Natur wirkt 
und schafft fort. Sobald im März der erste laue Frühlingsregen gefallen ist, bietet die 
ganze beschriebene Bergseite bis unterhalb Jsera einen wunderherrlichen Anblick dar. Mit 
saftigem Vollgrün bedecken sich Weinberge, Wiesen und Buschwald, es rührt und regt sich 
und lebt von Tag zu Tag frischer und glanzvoller auf im schroffsten Gegensatz zum 
umwandelbaren starren Grau der Felsen. Einzelne kleine Bäche fallen zerstiebend von den 
Felswänden, Dörfer, Weiler und zerstreute Häuser, welche im Winter offen und wie am
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.