Ausblick vom Kahlenberg.
Landschaftliche Lage Wiens.
iese ersten Blätter sind der Lage Wiens gewidmet, der Schilderung
des gottgesegneten Stückes Erde, auf dem sich seit den Römertagen
unsere herrliche Vaterstadt erhoben hat und, allmälig anwachsend und
emporblühend im Laufe von Jahrhunderten, zum Mittel- und Aus
gangspunkte abendländischer Cultur für weite Gebiete, zum Centrnm
großartiger künstlerischer und wissenschaftlicher Entfaltung inmitten eines bewegten und
eigenartigen Volkslebens geworden ist.
Konnte sich doch nur hier unter derartigen klimatischen und landschaftlichen Ver
hältnissen dieser Wiener Typus entwickeln, nur hier dieses Stadt- und Volksleben sich so
lebensfrisch und anmuthend gestalten.
Der Boden, auf dem er lebt, die Natur, die ihn umgibt, beeinflußt den Menschen
und seine Schöpfungen, und wenn unser Wien in gar mancher Beziehung einen speciellen,
ganz besonders anziehenden Charakter besitzt, so gilt dies auch in vollem Maße von der
landschaftlichen Umgebung unserer Hauptstadt.
Die mächtige Donau, weit im Westen entspringend, aus dem Abendlande durch
Central-Europa dem fernen Orient zufließend, strömt nahe an Wien vorbei. Nördlich der
Donau endet knapp an ihren Ufern im steinigen Bisamberge derselbe Typus eines rauhen
Hochplateau-Landes, wie er ganz Böhmen und Mähren durchzieht; gegenüber, in östlicher
Richtung, erblicken wir Wien nicht allzufern die schön geformte waldige Bergkette der kleinen
Karpathen, westlichste Ausläufer jenes großen, ganz Ungarn umspannenden Gebirgszuges,
der bis an die Donau sich herabsenkt, und am rechten Ufer des Stromes erhebt sich der