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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, 1. Abtheilung: Wien

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kahle,  runde  Hnndsheimerberg,  ein  würdiger  Abschluß  des  langen,  schmalen  Leithagebirges,
welches  durch  eine  weite  Strecke  die  Grenze  Niederösterreichs  und  Ungarns  bildet  und  durch
den  Gebirgsstock  des  Wechsels  mit  den  Alpen  zusammenhängt.
Wien  selbst,  weit  sich  breitend  und  jetzt  durch  sein  Häusermeer  ein  engverbnndenes
Ganzes,  steht  auf  den  Hängen,  welche  von  dem  Kahlen-  und  Leopoldsberg  und  von  den
andern  Kuppen  abfallen,  die  uns  mit  ihrem  saftigen  Grün  in  die  Fenster  blicken,  und  hinter
diesen  ersten  Hügelreihen  gibt  es  noch  ein  weites  hügeliges  Gebiet,  das  jedes  Wiener  Kind
sein  eigenes  liebstes  Gehege  nennt,  den  herrlichen  Wienerwald.  Rauschende  Eichenbestünde,
von  grünen  Wiesenthälern  und  rieselnden  Quellen  unterbrochen,  bald  sich  erhebend,  bald
sich  senkend,  drängen  bis  an  die  Stadt,  bis  zur  Donau  sich  heran;  dann  folgt  die  Zone
der  Buchen,  dann  jene  der  Tannen-  und  Fichten-Regionen  —  und  allmälig  verbindet  sich
unser  Wienerwald  mit  dem  Hochgebirge  der  Alpen,  diesem  Rückgrat  Central-Europas,  das
im  Westen  auf  französischem  Boden  beginnt  und  im  Osten  in  unserem  hohen  Schneeberg,
der  so  stolz  auf  Wien  herabschaut,  sein  letztes  weißes  Haupt  erhebt.
Zwischen  den  Gebirgszügen  nördlich  der  Donau  breitet  sich  das  reiche  Marchfeld
aus  mit  seinen  wogenden  Kornfeldern  und  südlich  liegt  das  Wiener  Becken,  diese  schöne
bcrgumschlossene  Niederung,  in  welcher  fruchtbarer  Boden,  rauschende  Bäche,  sumpfiges
Haideland  und  dichte  Feldgehölze  in  bunter  Mannigfaltigkeit  einander  ablösen.  Zwischen
diesen  beiden  Ebenen  strömt  majestätisch  die  Donau  hindurch  und  bildet  Inseln  und  weiße
Schotterbänke  und  fast  undurchdringliche  Auwälder  —  ein  mannigfaltiges  wildes  Gebiet
nahe  der  Weltstadt!
So  erhebt  sich  inmitten  eigenthümlicher  Contraste,  zwischen  hochcultivirten  Landstrichen ­
  und  dunklen  Forsten,  umgeben  von  einem  Kranze  reizender  Gärten  und  blinkender
Landhäuser  unser  Wien,  die  alte  ruhmreiche  Kaiserstadt  mit  ihren:  hochragenden  Stefansthnrm,
  einem  Stück  Weltgeschichte,  und  um  ihn  herum  legen  sich  ehrwürdige  graue
Gebäude  und  ein  marmorner  Ring  von  modernen  Prachtbauten,  die  großen  Vorstädte
und  die  langgedehnten  Vororte,  immer  mehr  und  mehr  eingebautes,  fruchtreiches  Land  in  ihr
Häusermeer  hineinschlingend:  Schöpfungen  einer  neuen  Zeit  und  eines  regen  Fortschrittes.
Nahe  der  Donau  in  den  grünenden  Praterauen  erglänzt  die  hohe  Kuppel  der
Rotunde,  ein  Wahrzeichen  des  neuen  Wien,  wie  es  der  Stefansthurm  des  alten  ist.
Stefansthurm  und  Rotunde,  Marksteine  in  unserer  Geschichte,  künden  weithin  leuchtend
dem  Wanderer  die  Lage  Wiens,  dieser  Metropole  an  der  blauen  Donau  zwischen  Ost
und  West,  wo  Nationen  aneinander  grenzen  und  Natur  und  Völkerleben  einen  großen
Stapelplatz  der  Cultur  für  Gegenwart  und  Zukunft  geschaffen  haben.
            
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