Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, 1. Abtheilung: Wien

167

Männer  der  früheren  Zeit,  wie  Adolf  Ritter  von  Tschabuschnigg,  haben  sich  später  auf
diesen:  Felde  versucht.  Während  der  Tendenzroman  im  Sinne  der  Jungdeutschen  fast  nur
durch  die  anspruchsvollen  Producte  Brauns  von  Braunthal  (Jean  Charles)  vertreten  ist,
haben  die  Dorfgeschichten  und  Culturbilder  in  Österreich  hochbegabte  Vertreter  gefunden:
Josef  Rank  entlehnte  seine  Stoffe  den:  Böhmermalde,  August  Silberstein  den  österreichischen
Gebirgsländern;  Leopold  Kompert  schildert  in  ergreifenden  Bildern  das  Leben  und  Treiben
des  böhmischen  Ghetto  und  Karl  Emil  Franzos  hat  die  Cnlturzustände  Halbasiens  der
dichterischen  Betrachtung  erschlossen.  Auch  Ludwig  Anzengruber  hat,  neben  seinen  trefflichen
Volksstücken,  ergreifende  Bilder  aus  dem  Leben  des  niederösterreichischen  Landvolkes
geschaffen.  Über  den  Ocean  schweifte  die  Phantasie  Kürnbergers,  des  für  die  Prosadichtnng
so  reich  begabten  Vertreters  des  „Amerikamüden".  Andere,  wie  Franz  Schnselka  und
Friedrich  Schlögl,  griffen  in  der  Nähe  zu  und  holten  ihre  Stoffe  ans  dem  Wiener
Volksleben.  Unzweifelhaft  bildet  diese  Richtung  die  Stärke  der  niederösterreichischen
Romandichtung,  der  Gesellschafts-  und  Sittenroman  stand  hinter  ihr  zurück:  doch  haben
Friedrich  Uhl,  August  Silberstein  und  Andere  auch  hier  Verdienstliches  geleistet,  während
die  Sensationsromane  der  Wolfram  und  Anderer  mehr  momentanes  Aufsehen  als  dauerndes
Gefallen  erregten.  Auch  der  historische  Roman  kommt  an  Zahl  und  Bedeutung  dem
Culturbilde  nicht  gleich,  leicht  dürfte  Heinrich  Laubes  „deutscher  Krieg"  auf  diesem
Gebiete  die  bedeutendste  Erscheinung  der  letzten  Decennien  sein.  Für  das  Bedürfnis  eines
weiteren  Leserkreises,  nicht  ohne  Talent,  aber  ohne  weises  Zusammenhalten  ihrer  Kräfte,
schrieben  Leopold  Breier,  Theodor  Scheibe  und  August  Schirmer  Romane  aus  der
allgemeinen  und  österreichischen  Geschichte  und  aus  dem  modernen  Leben.  Auch  die  -rheilnahme
  der  Frauen,  welche  sich  hier  am  liebsten  hinter  Männernamen  verbergen,  hat  dem
Romane  nicht  gefehlt:  ich  nenne  E.  Ritter,  Ernst  von  Waldow  und  aus  der  neuesten  Zeit
Emil  Marriot,  welcher  sich  an  die  realistische  und  naturalistische  Darstellungsmeise  der
modernen  Franzosen  anschließt.  Auch  die  Novellendichtnng  ist  seit  1850  in  Österreich
erfreulich  fortgeschritten.  Wir  finden  sie  zunächst  in  den  Erzeugnissen  Faust  Pachters  auf
den,  Standpunkte  der  Zeitungsnovelle  wieder,  auf  welchem  wir  sie  in  den  Vierziger-Jahren
verlassen  haben.  Auch  späterhin,  aber  in  vornehmerer  Gestalt,  ist  das  Talent  für  die  Novelle
mit  der  Begabung  für  das  Feuilleton  oft  Hand  in  Hand  gegangen.  Ferdinand  Kürnberger,
Hieronymus  Lorm,  Karl  Erdmann  Edler,  Johannes  Nordmann,  Emerich  Ranzow,
Balduin  Groller,  Ludwig  Hcvesi,  Ferdinand  Groß  und  andere  unserer  besten  Feuilletonisten
und  Essayisten  zählen  auch  zu  unseren  besten  Novellisten.  Nicht  selten  war  auch,  wie  einst
bei  Kleist,  das  Talent  für  Roman  und  Novelle  mit  dem  Dramatischen  vereint,  wie  bei
Grillparzer,  Halm,  Hebbel,  Mosenthal,  Saar,  Weilen,  Wilbrandt  und  Anderen  mehr.  In
den  Reisenovellen  und  Wandernovellen  von  Julius  von  der  Traun,  Alexander  Gigl,
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.