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Material zu achten und nach seinen Eigenschaften mit Hilfe alter Technik zu decoriren, sie
hat auch gelernt, die Hilfsmateriale besser und richtiger zu verwenden und anstatt der
Willkür mit schön gezeichneten Ornamenten den Gegenstand zu verzieren. So ist, Alles in
Allem genommen, die Wiener Galanterie-Industrie bei weitem reicher und edler geworden,
als sie es noch vor zehn und zwanzig Jahren war, und sie hat manches andere Gewerbe,
das ihr dient oder verwandt ist, wie zum Beispiel die ornamentale Graveurkunst oder die
Buchbinderei, mit sich gehoben. Die letztere hat lange gezögert, wieder richtige Wege zu
betreten. Lange schwankend zwischen den überladenen Prachthüllen und den ordinären
vergoldeten Leinwanddecken, fängt sie doch jetzt an, ihrem ausgezeichneten und soliden
Material, dem Leder, sein Recht werden zu lassen.
Und so ist es überall, auch wenn wir neben diesen Hanptzweigen der Kunstindnstrie
die kleineren und bescheideneren der Kritik unterziehen wollten. Wenn auch keineswegs alle
Spuren des früheren Ungeschmacks vertilgt sind — das Publicum, in ihnen erwachsen,
hält ja großentheils noch selber daran fest — so machen sich doch allerseits richtige
Grundsätze geltend. Alte technische Verfahrungsweisen sind wieder aufgelebt; man bemüht
sich dem Material gerecht zu werden; man müht sich um schöne Form, um edles Ornament,
um richtige Farben und vernünftige Construction. Die Wiener Kunstindustrie ist durchaus
leistungsfähig geworden und dabei in ihrem Charakter vollkommen wienerisch geblieben,
ja sie ist mit ihrer Art, wie wir gesehen haben, den anderen vielfach vorangegnngen.
Ihr fehlt heute nichts als die entgegenkommende, verständnißvolle und werkthütige
Unterstützung des gebildeten und wohlhabenden Publicums.