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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, 1. Abtheilung: Wien

Wir  haben  bisher  vielfach  Kunstgewerbe  erwähnt  und  es  sei  deßhalb  gestattet,  hier
noch  an  die  graphischen  Künste  zu  erinnern,  deren  technische  Seite  ja  einen  Hauptfactor
für  das  Gesammtergebniß  des  Betriebes  bildet.  Gerade  in  technischer  Hinsicht  aber  sind
die  Reprodnctionsversahren,  deren  nian  sich  in  Wien  bedient,  zu  hoher  Vollkommenheit
ausgebildet.  Die  Zinkographie  und  Heliotypie  werden  von  einer  Reihe  tüchtiger  Firmen
ausgeübt.  DieHerstellung  druckfähiger  Cliches  direct  nach  Naturaufnahmen  oderZeichnungen
mit  Halbtönen  hat  durch  eine  Wiener  Firma  in  der  neuesten  Zeit  wesentliche  Verbesserungen
erfahren.  Auch  der  Lichtdruck,  welcher  durch  die  verhältnißmäßig  leichtere  und  billigere
Herstellung  von  Illustrationen  wissenschaftlicher  Werke,  Preisblättern,  Katalogen  u.  s.  w.
immer  häufiger  zur  Anwendung  kommt,  macht  stete  Fortschritte.  Der  Lichtdruck-Farbendruck
findet  bereite  hier  seine  Pflege  und  die  Heliogravüre  gelangte  im  k.  k.  militär-geographischen
Institute  zu  hervorragenden  Leistungen.  So  haben  sich  die  Descendenten  der  Photographie,
welche  schon  in  ihren  ersten  Anfängen  in  Wien  eine  besondere  Pflegestätte  fand  und  die
wichtigsten  Beiträge  zu  ihrer  Ausbildung  erhielt,  hier  eingebürgert  und  wetteifern  mit
den  älteren  Reprodnctionsversahren,  der  Xylographie,  Lithographie,  dem  Farbendruck,
der  Porzellan-  und  Emailmalerei  u.  s.  w.,  welche  insgesammt  durch  verdiente  Meister
repräsentirt  erscheinen.
Überblickt  man  sämmtliche  Gewerbe,  welche  vom  Bau-Constructionswesen  ausgehend
alle  Probleme  lösen,  die  sich  an  die  Ausstattung  der  Wohnräume  knüpfen,  bis  zum
rassinirtesten  Schmuck  derselben,  so  darf  man  behaupten,  daß  nur  wenige  Städte  Europas
Wien  in  dieser  Richtung  erreichen  oder  überragen.  Der  Comfort,  den  der  Städtebewohner
fordert,  als  Bewohner  im  engeren  Sinne  des  Wortes,  wird  in  jeder  Hinsicht  geboten.
Nicht  minder  günstig  stellt  sich  das  Urtheil  in  Beziehung  auf  jene  Bedürfnisse,  die
unter  dem  Gesammtbegriss  Bekleidung  verstanden  werden.  Nebst  den  Herrenkleidern
werden  Herren-  und  Frauenhüte,  Kunstblumen,  Schmucksedern  und  endlich  Schuhwaaren
aller  Art  in  vorzüglicher  Qualität  und  in  bedeutenden  Mengen  für  den  hiesigen  Consnm
und  für  den  Absah  in  allen  Ländern  der  Erde  geliefert.  Die  Posamentierwaaren  aus
echtem  und  unechtem  Gold  und  Silber,  Seiden-  und  Schaswollgespinnst  für  Uniformen,
Damenpuh,  Wagen-  und  Möbelausstattung  werden  gleichfalls  in  Quantitäten,  die  den
inländischen  Bedarf  überwiegen,  und  in  guter  Qualität  erzeugt.  Die  jeweilig  vorherrschende
Geschmacksrichtung  ist  auch  heute  noch  durchaus  nicht  unabhängig  von  dem  Einflüsse  der
Pariser  Mode,  doch  haben  gerade  Techniken,  die  in  Wien  auftauchten  oder  wiederbelebt
wurden,  die  Wiener  Mode  in  vortheilhafter  Weise  beeinflußt,  so  daß  diese  häufig  mehr
oder  minder  selbständig  auftritt.
Resumiren  wir  nun  die  Eindrücke  eines  Rnndganges  durch  die  Wiener  Werkstätten
und  Gewerbebetriebe,  so  können  wir  uns  der  Überzeugung  nicht  verschließen,  daß  das
            
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