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erscheint auf dem Horizonte der Koseiuszkvhügcl (333 Nieter), zu seinen Füßen glänzen
in der Abendsonne die Basteien des prächtigen Wawel und die zahlreichen Thürme der
altehrwürdigen Königsstadt, noch ein Augenblick und wir halten unseren Einzug in das
Grvßherzogthum Krakau.
Das Grvßherzogthum Krakau. Ein kleines, gegen 1200 Quadratkilometer
umfassendes, aber herrliches Ländchen! In geologischer Beziehung ist das ein wahres
Edelsteinkästchen, das in unscheinbarem winzigen Raume Reichthümer birgt. Angefangcn
von dem Devon findet man hier in einer höchst interessanten Lagerung Vertretungen
sämmtlicher Formationen, von denen manche auch praktisch sehr wichtig sind, da sie Stein
kohle und verschiedene Erze enthalten. Es ist ein weder in geologischer, noch in geographischer
Beziehung abgeschlossenes Ganzes. Durch die politische Grenze wurde hier ein Theil des
polnisch-schlesischen Gebietes abgeschnitten, der in jeder Beziehung sich an das letztere anlehnt.
Die Reliefformen des Ländchens sind im Großen und Ganzen genommen geologisch
sehr alt. Die mächtige Weichsel hat an der Bildung ihres Thales fast gar kein Verdienst.
Die großartige Erosion, wie wir sie z. B. bei den podolischen Flüssen zu bewundern
Gelegenheit hatten, spielt da eine untergeordnete Rolle, denn die Thälcr der Weichsel und
ihrer meisten Nebenflüsse, wie denn überhaupt die gegenwärtig wichtigsten Gegensätze
zwischen Höhe und Tiefe,waren hier bereits vor dem Eintritt des Tertiärmeeres vorgezeichnet.
Das Gebiet von Krakau zerfällt in orographisch-landschaftlicher Beziehung in drei
Abschnitte. Der nördlichste, der die unmittelbare Fortsetzung des südpolnischen Gebirges
bildet, stellt einen westöstlich verlaufenden, hügeligen Rücken dar, dessen südliche Grenze
wir auf unserer Fahrt von Chrzanöw nach Krakau von der Nordbahn aus ganz gut in
der Gestalt eines unter die Ebene einfallenden Steilrandes verfolgen können. Die Bahn
selbst bewegt sich in dem zweiten Abschnitte, in dem sogenannten Krzeszowieer Becken.
Es ist ein großes, längliches Senkungsgebiet, das mit jüngeren, mivcänen Bildungen
ansgefüllt ist, während die älteren in der Tiefe verschwanden. Südlich davon erscheint der
dritte Abschnitt in der Gestalt einer großen, zuerst östlich und dann südöstlich streichenden,
vielfach zerstörten hügeligen Antiklinale, die in Podgörze bei Krakau in einer steilen
Wand unter den Weichselallnvivnen auf immer verschwindet.
Diesem letzteren Gebiete gehört unser erster Ausflug. Wir verlassen die herrliche,
alterthümliche Königsstadt und begeben uns in westlicher Richtung längs des linken
Weichselufers, um von der Höhe des von allen Seiten sichtbaren Wahrzeichens dieser
Gegend, des Kosciuszkvhügels, eine Übersicht des Ganzen zu gewinnen. Wir besteigen die
aus jurassischen Felsenkalken aufgebaute Anhöhe, passircn die mächtigen Festungswerke
und erklimmen endlich den Hügel, den das dankbare polnische Volk dem Andenken seines
Freiheitsheldcn errichtete.