MAK

Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Galizien

117 
Steinwerkzeuge gewöhnlicher Art, manchmal (in Uwista) Hammerbeile aus Hirschgeweih, 
Bernstein-Kreisel und charakteristische Gefäße aus lichtem, reinem Thon von krugähnlicher 
Form, geschickt gearbeitet, schwach gebrannt und mit einer eigenthümlichen eingeritzten 
Ornamentik verziert, in der Art von Fischschuppen, die in Gruppen dreieckiger Form von 
dem Halse der Gefäße nach unten herabhängen und mit weißer Masse gefüllt sind. In 
Uwista und Czarnokonce hat man außerdem an den Hüften der Skelette knöcherne, flache, 
mit Linear-Ornamenten bedeckte Schmucksachen gefunden, welche wahrscheinlich als 
Schnallen an ledernen Gürteln dienten. In zwei zu Uwista und Raköwkat entdeckten 
Gräbern fand man je drei Skelette auf die Weise in der Steinkiste beigesetzt, daß zwei von 
ihnen, die den Typus der Langschädel zeigten, immer zu den Füßen des dritten, eines 
kurzköpfigen lagen und die Gebeine so zusammengedrückt waren, daß sie unmöglich anders 
als nach Beseitigung des Fleisches ins Grab gelegt werden konnten. Ähnliches hat man in 
vielen Gräbern derselben Epoche in Frankreich wahrgenommen, was den französischen 
Archäologen Anlaß zu Vermuthungen über einen eigenthümlichen Sepulcralritus gab. 
Eine zweite verhältnißmäßig jüngere Gruppe von Gräbern neolithischer Epoche 
bilden die sogenannten Brand- oder Urnengräber. In der Gegend von Krakau sowie in 
den nahe der Weichsel gelegenen Bezirken: Chrzauöw, Bochnia, Brzesko, Dgbrowa re. 
treffen wir zahlreiche Spuren neolithischer Brandgräber. 
Nach der Verbrennung der Leiche an einem speciell zu diesem Zweck bestimmten 
Platze, wurden die verbrannten Gebeine sammt Asche in eine Urne aus Thon gesammelt 
und in die Erde vergraben. Die Größe dieses Gefäßes hing von der Menge der zur 
Beisetzung bestimmten Überreste ab. Neben der Urne stellte man ins Grab gewöhnlich 
kleinere Gefäße in Gestalt von Töpfen, Bechern, Schüsseln und dergleichen, welche wahr 
scheinlich mit Speisen gefüllt waren. Die Urne mit den Gebeinen wurde oft mit einer Art 
Schüssel überdeckt. Man mengte öfters zum Thone Sand und Granitkörner, wohl in der 
Absicht, den Gefäßen mehr Härte und Dauerhaftigkeit zu verleihen. Steinwerkzeuge und 
Schmucksachen treffen wir in diesen Gräbern nur selten. 
Vom Sanflusse angefangen, der, wie man aus den bisherigen prähistorischen Aus 
grabungen vermuthen kann, in der vorgeschichtlichen Zeit eine Art ethnographische Grenze 
gebildet hat, finden wir in ganz Ostgalizien hohe Erdaufschüttungen, sogenannte Kurganen. 
Nicht alle sind jedoch Gräber, manche bestehen aus Asche, harten Thonschichten vermengt 
mit Gefüßscherben und Küchenabfällen. So weit sich dies aus den bisherigen Forschungen 
erkennen läßt, enthält die überwiegende Zahl der Kurgane Gräber aus späteren prähistorischen 
Perioden. Neolithische Kurgane scheinen nur wenige vorhanden zu sein, und zwar vorzüglich 
in der Gegend zwischen Przemysl und Lemberg. Auf dem am meisten gegen Osten gelegenen 
Gebiete des Landes, von den Flüssen Bug und Strypa angefangen, gehören fast alle
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.