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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Galizien

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Flüssen Wistok und San bis in die Moldau hinein unter seiner Herrschaft vereinigte, 
verlegte die Hauptstadt des Reiches von dem westlichen Przemysl weiter nach Osten, 
nämlich nach Halicz am Dniestr. In einer Urkunde vom Jahre 1134 heißt schon dieses 
Reich „der Thron von Halicz", lateinisch Ickalieia oder Onliein. 
Unter den ersten Rostistawiczen, Wotodar (1092 bis 1125), Rostistaw (1125 
bis 1126), Wladimir I. (1125 bis 1153), Jarostaw Osmomyst (das ist dem 
Achtsinnigen, 1153 bis 1187), gelangte das Czerwenische oder das nunmehrige Haliczer 
Reich zu ziemlich bedeutender Macht und Bliite. Wohl waren die hergebrachten Bruder- 
und Bürgerkriege, in die sich auch die westlichen Nachbarn, die Polen und die Ungarn, 
einmischten, auch hier an der Tagesordnung. Aber die thatkrüftigen Fürsten wußten sich 
nicht nur aller feindlichen Angriffe zu erwehren und der inneren Wirren Meister zu werden, 
sondern auch die Nachbarreiche, selbst die von Kiew, Ungarn und Polen, ihre Macht fühlen 
zu lassen. Aber was wichtiger war, unter der Regierung der Rostistawiczen kam in dem 
Lande das ruthenische Wesen zur ausschließlichen Herrschaft, da sie zu der Fürstenschaar 
der Rurikowiczen gehörten und das Land fortan ein Glied des ruthenischen Staaten- 
complcxes bildete. In noch höherem Maße wurde die sich nun bildende Gemeinsamkeit 
durch die orientalische Kirche gefördert, die wohl damals erst in dem Lande feste Wurzeln 
faßte und ihre letzte Ausbildung erhielt. Alle ruthenischen Länder bildeten nämlich eine 
Kirchenprovinz, die in Bisthümer getheilt unter der Oberleitung des Metropoliten von 
Kiew stand. In Rothrnthenien bestanden in dieser Zeit, ohne daß wir ihre Anfänge zu 
bestimmen im Stande wären, die orientalischen Bisthümer Przemysl, Wladimir und Halicz, 
wozu später Chelm hinzukam. Diese Bisthümer gehörten nun auch der Kiewer Metropolie an. 
Der Zustand des Landes scheint in jenen Zeiten, trotz vieler Stürme und Kriege, 
ein glücklicher gewesen zu sein. Zufällige Andeutungen der Quellen weisen auf einen 
bedeutenden Wohlstand des Volkes hin, auf blühenden Ackerbau und weit ausgedehnten 
Handel. Kaufleute aus Mcsembrien erhalten Handelsprivilegien, ungarische und böhmische 
Waarcn werden durch das Land geführt, auf der Donau segeln Haliczer Schiffe und Fisch 
fänger. Der wachsende Wohlstand hat auch in der Literatur eine schöne Frucht gezeitigt. 
Gegen Ende des XII. Jahrhunderts entstand in den ruthenischen Ländern, wenn auch nicht 
in unserem Lande, ein Epos, welches mit hochpatriotischem Gefühl einen Zug des Igor 
Lwiatoslawicz, Fürsten von Putywl, gegen die Potowcer besang. Darin findet sich auch 
ein Aufruf an den achtsinnigen Jarostaw von Halicz: Hoch sitzt er auf seinem aus Gold 
geschmiedeten Throne, er stützt die ungarischen Gebirge mit seinen eisernen Truppen und 
verlegt dem König den Weg; er sperrt die Donauthore ab, indem er Lasten durch die 
Wolken schlendert und Schiffe auf die Donau entsendet. Vor ihm fließen Schrecken über die 
Länder, er erbricht die Thore von Kiew und schießt von seinem goldenen Sitze Sultane herab.
	        
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