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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Galizien

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Regierungsform  wurde  zwar  gewahrt,  aber  dem  Volke  in  einem  ständischen  Landtage  die
Möglichkeit  eingeräumt,  seine  Anliegen  lind  Beschwerden  zu  äußern.  Die  rein  bnrcankratische
Organisation  der  Ämter  sollte  durch  eine  gemischte  Organisation,  in  welcher  die  autonomen
Elemente  beinahe  vorherrschten,  ersetzt  werden.
Diese  organisatorischen  Arbeiten  befanden  sich  in  vollständigem  Einklänge  mit  der
äußeren  Politik,  welche  Leopold  II.  dem  nach  der  ersten  Theilung  noch  übrig  gebliebenen
polnischen  Staate  gegenüber  einschlug.  Der  erschütternde  Eindruck  der  ersten  Theilung  hat
das  Werk  der  nationalen  Wiedergeburt  jedenfalls  beschleunigt.  Ein  geordnetes  Gerichtswesen ­
  und  ein  wenn  auch  kleines,  ständiges  Heer  machten  der  alten  Anarchie  ein  Ende.
Der  im  Jahre  1775  eingesetzte  ständige  Rath  arbeitete  trotz  seiner  Schwerfälligkeit  mit
sichtbarem  Erfolge  aus  dem  Gebiete  der  staatlichen  Verwaltung.  Dieser  Erfolg  machte  sich
insbesondere  in  der  Volkswirthschaft  bemerkbar:  Handel  und  Gewerbe  fanden  eine  kräftige
Unterstützung,  und  das  Bürgcrthum  in  den  Städten,  insbesondere  in  Warschau,  entwickelte
sich  zu  einer  Macht,  welche  auch  auf  den  Gang  der  politischen  Ereignisse  nicht  ohne  Einfluß
war.  Die  Rückwirkung  auf  den  Ackerbau  blieb  auch  nicht  aus,  und  es  tauchten  immer
häufiger  Versuche  auf,  die  bäuerlichen  Verhältnisse  auf  einer  anderen  Grundlage  zu  ordnen.
Ter  größte  Aufschwung  vollzog  sich  aber  auf  dem  Gebiete  des  Unterrichtswescns  und  der
Literatur.  Die  nach  der  Aufhebung  des  Jesuitenordens  eingesetzte  „Educations-Commission"
verwendete  die  Einkünfte  des  immensen  Jesuitenbesitzes  für  Nnterrichtszwccke,  und  es  gelang
ihr,  die  Universitäten  gründlich  zu  resormiren,  eine  Reihe  von  Mittel-  und  Volksschulen
zu  schaffen  und  dem  ganzen  Werke  der  nationalen  Erziehung  eine  aufgeklärte,  politisch
vernünftige  Richtung  zu  geben.  Die  Zahl  derjenigen,  welche  den  Verfall  Polens  tief
beklagten  und  bereit  waren,  für  die  politische  Wiedergeburt  des  Landes  zu  wirken,  war
so  beträchtlich,  daß  sie  bereits  auf  dem  Reichstage  vom  Jahre  1789  die  führende  Nolle
spielten.  Ihre  Politik  war  gegen  Rußland  gerichtet,  welches  nach  der  ersten  Theilung  eine
präponderante  Stellung  in  Polen  gewonnen  hatte.  Sie  nützten  den  zwischen  Rußland  und
Preußen  ausgebrochenen  Antagonismus  zu  einem  Bündnisse  mit  Preußen  aus,  das  insoferne
auch  gegen  Österreich  gerichtet  war,  als  die  äußere  Politik  Josefs  II.  sich  eng  au  die  russische
"»geschlossen  hatte.  Als  aber  das  von  Josef  II.  gepflegte  Einvernehmen  Österreichs  mit
Rußland  in  die  Brüche  ging,  suchten  und  fanden  die  polnischen  Patrioten  eine  feste
und  aufrichtige  Stütze  ihrer  Bestrebungen  in  Leopold  II-,  welcher  die  Bedeutung  einer
Cvnsolidirung  des  polnischen  Staatswesens  für  Österreich  vollkommen  würdigte.  Mit
Wissen  und  mit  Aufmunterung  Leopolds  II.  kam  die  polnische  Constitution  vom  3.  Mai  1791
zustande,  in  welcher  Polen  den  anarchischen  Institutionen  seiner  Vergangenheit  ausdrücklich
entsagte,  die  Freiheit  des  Adels  zügelte,  dem  Bürgerstande  politische  Rechte  zusprach,
den  Bauernstand  unter  den  Schutz  des  öffentlichen  Rechtes  stellte,  eine  erbliche  Monarchie
            
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