MAK

Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Galizien

286 
an das Himmelsthor nnklvpfen würde, wie an seine eigene Chnluppe?) Der Ketzer aber, 
Husch! ist er in den Himmel geschlüpft. Der heilige Peter ruft, läuft hinter ihm her, aber 
der Ketzer jagt durch den Himmel, daß es hinter ihm ordentlich stäubt. Der Ketzer ist im 
Himmel! Der heilige Petrus ist vor Schrecken starr und stumm; denn was wird der Herr 
Jesus dazu sagen? Zum Glück hat das der heilige Michael im Fluge bemerkt und daraus 
den himmlischen Soldaten etwas zugeflüstert. Der Ketzer hat es gleich gemerkt (denn er 
ist furchtbar gerieben), daß es ihm hier an den Hals geht, also läuft er noch schneller. 
Die Engel setzen sich auch in Bewegung und jagen dahin und dorthin ihm nach, daher der 
Lärm, welchen wir Donner nennen. Nun ist es eine bekannte Sache, daß der Himmel viel 
größer ist als unsere Erde; so ist genug Raum zum Fliehen und Jagen und es ist auch leicht 
begreiflich, daß der furchtbare Lärm einmal hier und einmal dort zu Horen ist. Manchmal 
entfernen sich die Engel, nach dem Ketzer jagend, so weit von uns, daß man den Donner 
einige Monate hindurch gar nicht vernimmt. Einmal oder das andere mal kommt es denn 
wieder vor, daß die Engel den Ketzer erreichen; da öffnet gleich einer von ihnen den 
Himmel und daher kommt das Leuchten, welches die Menschen Blitz nennen. Ein anderes 
Mal packt ein Engel den Ketzer beim Kragen, um ihn mit dem Kopf zu unterst beim 
Himmel hinaus zu werfen. Aber dieser entwischt den Händen des Engels wie ein Aal und 
die Himmelspforte wird mit entsetzlichem Gepolter zugcschlagen — und wir nennen das 
„Einschlagen". So werden die Engel auf Gottes Befehl den Ketzer für seinen Dünkel 
und seine Frechheit bis an das Ende der Welt verfolgen. Erst am Tage des jüngsten 
Gerichts wird der hochmüthige Ketzer in den höllischen Abgrund stürzen. 
Der Geister, welche auf Erden wohnen, gibt es sehr viele. Zumeist find sie dem 
Menschen übel gesinnt. In den Wäldern wohnen die „wilden Menschen",allein die Tradition 
von ihnen ist schon im Erlöschen. Wildfräulein (v/.nvoLonv), die „Wunderfrauen" oder 
„Mittagweiber" skoluciirieo) genannt werden, sind Bewohnerinnen der Wiesen und Felder, 
ebenso die „Mamoncn", Geschöpfe von schöner Körperbildnng, aber von großer Bosheit, 
welche die Gabe besitzen, die Menschen zu verzaubern und zum Bösen zu verleiten. Die 
Mittagweiber haben ihren Namen daher, weil sie zur Mittagszeit inmitten der Felder und 
Wiesen auftauchcn und Kinder fortnehmen, wenn sie solche irgendwo allein antreffen. 
Dasselbe vollführen auch die „Wnnderweiber", nur daß es nicht gerade um diese Zeit 
geschieht. Die „Wunderweiber" gehen hauptsächlich darauf aus, ganz kleine Kinder von 
der Mutterbrust zu reißen und unbemerkt ihre eigenen unterzulegen. Wenn die „Wunder 
weiber" irgendwelche Kinder erwischen, so schlagen sie sie mit Ruthen und werfen diese 
auf den Kehricht, damit die Mütter erfahren, was mit ihren Kindern geschehen sei. In 
solchen Füllen muß die Mutter trachten, das „Wunderweib" zu fangen, ihr die Mütze 
abzunehmcn und sie ihr nicht zurückzugeben, so sehr sie auch bitten sollte. Dann gibt sie
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.