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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Galizien

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wer bessere Pferde hat, ist doch nicht der eigentliche Zweck dieses Ausrittes zur Kirche. 
Man reitet zur Kirche, sagen die Lasowiaken, weil es eine blinde ist, einen Wagen zu 
beladen und darauf zu fahren, und weil übrigens die Pferde dadurch gut gehalten werden. 
Derselbe Brauch, am Weihnachtstage zum Gottesdienst zu reiten, besteht auch unter der 
polnischen Bevölkerung Westpreußens, mit dem Unterschiede, daß hier der Priester die 
Pferde segnet. 
Mit dem Stefanstage beginnt ein bewegtes Treiben. Zur Erinnerung an die 
Steinigung des heiligen Stefan wird an vielen Orten während des Hochamtes Hafer 
geweiht, womit man den Priester und dann sich gegenseitig bewirft. Vom Abende dieses 
Tages au beginnt auch das sogenannte „Kolendiren" (Singen der Weihnachtslieder) und 
dauert bis zu Maria Lichtmeß. Es thuu sich in jedem Dorfe zehn bis zwölf kleine Burschen 
zusammen, welche Abends von Hans zu Haus gehen und die Lieder singen, die man 
Uolonäu nennt. Sie singen draußen vor den Fenstern oder auch auf des Hausherrn 
Wunsch in der Stube. Dafür erhalten sie gewisse Gaben an Geld oder anderen Dingen, 
das auch Lolonäu heißt. Die Sänger gehen entweder allein oder mit dem Tor (Auerochs) 
anders Torrur, der Ziege (Lora), der Krippe (3-oKu) und, vorn Fest der heiligen 
drei Könige angesangen, mit dem L-tern (Orviu/Uu) herum. 
,Torrur« und Ziege ist eines und dasselbe. Das Ding, auch Ms, d. h. Bär 
genannt, wird dargestellt durch einen Buben, der sich bis zum Gürtel vorneigt und 
mit einem Kotzen oder einer groben Decke bedeckt ist, welche an einen geschnitzten, 
gehörnten Thierkops befestigt, über einen Stecken geworfen wird, den der gebückte 
Bursche unter derselben in der Hand hält, und welcher ihm zugleich als Stütze dient. 
Der Kopf ist mit Kalb- oder Rehfell überzogen und mit Hörnern versehen; der Uuterkieser 
ist beweglich und klappert mit dem Oberkiefer zusammen, wenn der verdeckte /lloruii« 
nach Bedarf mit dem Schnürchen manipulirt, das er in der Hand hält. Das Maul 
ist mit rothem Tuche ausgeschlagen, die Stelle der Zähne vertreten Hufeisen, wodurch 
das Klappern sehr laut wird. Außerdem trügt der /llormr« ein Glöckchen am Halse, das 
bei jeder seiner Bewegungen läutet. Einer der Sänger führt den llorrur an einer 
Schnur, ein anderer trügt eine kleine Laterne; dazu gehören ein Geiger und einige Sänger 
und der Zug ist fertig. In die Stube eingelassen, singen sie vorerst irgend eine Kolenda, 
sodann beginnen die Späße mit dem Bären. Aus Befehl seines Führers begrüßt er 
bald den Hauswirth. bald die Hausfrau, neigt sich vor ihnen und thut als küßte er 
ihnen die Hände. Die Kinder laufen natürlich davon. Nun spielt der Musikant etwas 
auf und Petz beginnt Possirlich zu tanzen. Nach dem Tanze befiehlt man chm, wenn 
erwachsene Mädchen im Hause sind, diese zu küssen oder ihnen die Stiefel auszuziehen. 
Da gibt es denn ein Laufen, Lärmen, Kreischen, Lachen! Darauf singen sie noch irgend
	        
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