Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Galizien

812

eine  Kolenda,  danken  für  die  Geschenke  und  ziehen  ab.  wobei  derjenige,  welcher  den
„Torun"  führt,  spricht:

„Komm!  Petzchen,  nun  weg,
Steh'  niemand  im  Weg.

Warst  hier  nicht  erschaffen.
Wirst  hier  auch  nicht  schlafen/'

Die  Krippe,  obwohl  überall  gekannt,  ist  in  der  Krakauer  Gegend  am  meisten  beliebt.
Man  baut  sie  hier  in  der  Form  einer  Kirche  mit  zwei  Thürmen.  Im  Innern  derselben
befinden  sich  Figürchen  oder  in  Ermanglung  dieser  Bildchen,  welche  im  Hintergründe  die
Gottesmutter  mit  dem  Kinde  Jesus,  den  heiligen  Josef,  einen  Ochsen  und  einen  Esel
darstellen.  Im  Vordergründe  erscheinen  Figürchen.  welche  Opfergaben  herbeitragen.  Ter
hinter  der  Krippe  verborgene  Knabe  recitirt  bei  jedem  neuen  Auftreten  eines  Figürchens
Worte,  welche  die  betreffende  Person  charakterisiren  und  allgemeine  Heiterkeit  Hervorrufen.
Unter  den  Figürchen  befindet  sich  ein  Mazure.  ein  Ruthene.  ein  Ungar,  dann  die  Vertreter
der  verschiedenen  Gesellschaftsschichten  als:  ein  Schuster,  ein  Landmann,  ein  Hirte,  ein
verliebtes  Paar.  Betrunkene,  ein  Jude  und  eine  Jüdin,  eine  Hexe,  der  Teufel  und  endlich
der  König  Herodes  und  der  Tod  mit  der  Sense.
Das  Herumziehen  mit  dem  ..Stern"  beginnt  mit  dem/rag  der  heiligen  drei  Könige
und  dauert  bis  zu  Lichtmeß.  Ein  aus  buntem  Papier  ausgeschnittener,  auf  Pappe  geklebter
Stern  ist  derart  auf  einem  Stab  befestigt,  daß  er  sich  darauf  mit  Leichtigkeit  herumdrehen
kann.  An  dem  Stab  ist  auch  ein  kleiner  Leuchter  mit  Kerzen  angebracht,  welche  den
Stern  beleuchten  sollen.  Der  mit  dem  Stern  herumziehende  Troß  hält  vor  den  Fenstern
und  singt  Kolenden.  wofür  er  Geschenke  erhält.  Manchmal  vereinigen  sich  der  Torun,  die
Krippe  und  der  Stern  zu  rombinirten  Vorstellungen.
Das  Weihnachtsfest  heißt  auch  die  Vertragsfeiertage  (Srvchkn  Aockire);  dies
kommt  daher,  weil  am  Stefanstage  der  Vertrag  mit  den  Dienstleuten  für  das  kommende
Jahr  abgeschlossen  wird.  Außer  einer  Bewirthnng  erhält  der  Dienstbote  ein  Geldgeschenk
als  Sicherstellung,  daß  er  am  Dreikönigstag  seine  fernere  Bereitwilligkeit,  im  Dienste
zu  bleiben,  erklärt.  Daher  das  Sprichwort:  „Am  Stefanstag  ist  jeder  sein  eigener  Herr."
Am  Neujahrstage,  sobald  der  Morgen  graut,  ziehen  in  vielen  Gegenden
ganze  Haufen  von  jungen  Burschen  mit  über  die  Achsel  gehängten  Taschen  von  Haus  zu
Haus  um  die  sogenannten  „Szcz  odraki".  Es  sind  dies  sehr  kleine  Brode,  welche  am
Vortage  eigens  zu  diesem  Zwecke  gebacken  wurden.  Nachdem  diese  „Schtschodrakschaken"
(87m?oäim62niMs  in  die  Stube  getreten,  sagen  sie:

„Gelobt  sei  Jesus  Christus,
Viel  Glück  und  Segen  zum  neuen  Jahr.
Bleibt  stets  von  allen  Schmerzen  bar,
Roggen  und  Weizen  soll  Euch  gedeih'«.

Vom  Winterkorn  führt  auch  viel  ein,
In  jedem  Winkel  soll's  Zehnfache  sein.
In  Kammer  und  Stall,  in  Speicher  und
Scheun'.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.