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Sonntag nach Ostern (provvoä^) der Fall. Auf die Gräber werden von den Angehörigen
kleine Osterbrode (psröpie^) mit eingesteckten Kerzen, außerdem auch Ostereier oder
Wurst gelegt und der Pfarrer geht von einem Grabhügel zum anderen und liest das
Evangelium vor. Die dargebrachten Osterbrode sammt Zugehör fallen dem Pfarrer, zum
Theile auch dem Kirchensänger anheim.
Auf die vierte Woche nach Ostern fällt der sogenannte kluolrmüiisüij
äeü, welcher an manchen Orten als Festtag gilt. Am Charfreitag oder Charsamstag wirft
man nämlich die Schalen der zu Osterbroden verbrauchten Eier in den Fluß, in der Meinung,
daß dieselben nach vier Wochen, in volle Eier umgewandelt, in jenes unbekannte Land
gelangen, wo die zwölf Rachmannen dieselben unter sich vertheilen und die Ostern feiern.
Manche Forscher haben diese Erinnerung mit den Bramanen in Zusammenhang gebracht.
Am Vorabend des 24. Juni alten Stils feiert das ruthenische Volk das die meisten
heidnischen Elemente aufweisende Fest üüpulo oder irüpujlo. Da dies mit dem am
nächsten Tag folgenden St. Johannisfest zusammenfällt, so heißt im Volksmunde das
Fest Irvaim-üüxncka (Johann Kupalo). Sobald die Dämmerung eintritt, kommen in der
Nähe des Flusses oder Teiches Mädchen und Junggesellen zusammen und machen aus
Stroh, Brennessel, am häufigsten aber aus Feldahorn (ueer euiripsZlro) eine Puppe,
marörw genannt, und schmücken dieselbe mit einem Kranz mit Bändern und verschiedenem
Flitter. Eine zweite Strohpuppe, küpuio, stellen sie neben der muroiru auf; vor beiden
Puppen wird ein Tisch mit Branntwein und Speisen aufgestellt und vor diesem ein
Feuerherd angelegt. Hierauf reichen Mädchen und Junggesellen einander die Hände,
singen Lieder und springen über den Feuerherd. Auch lassen Mädchen die jungfräulichen
Kränze, an denen sie brennende Kerzen befestigt haben, mit dem Fluß oder Dorfbach
hinabfließen und knüpfen daran Heiratsprophezeiungen. Schließlich werden beide Puppen
auseinander gerissen und ins Feuer oder ins Wasser geworfen. Nuröliu ist das Emblem
der Sommerregenwolken, während üüputo an die Göttin der Sonne erinnert, welche zur
Zeit der Sommersonnenwende in ihrer vollsten Macht erscheint und der Erde ihre
befruchtende Kraft verleiht. Daher spielen bei diesen Bräuchen die Hauptrolle zwei Elemente:
Feuer und Wasser.
Nach dem Volksglauben blüht in dieser Nacht das Farnkraut. Wer diese feuer-
rothe Blüthe findet und pflückt, was mit großen Hindernissen und Gefahren verbunden ist,
dem wird die Zauberkraft zutheil, verborgene unterirdische Schätze aufzufinden und zu
heben. Die üüputo-Feier ist zugleich das Fest der Nymphen (rusuiüF), welche dem
Wasser entsteigen und ihre Spiele auf dem festen Boden treiben.
Die üüpulo-Lieder enthalten außer den Erinnerungen an heidnische Gottheiten und
Bräuche ähnliche Themen wie die Frühlingslieder, nämlich Anspielungen auf die Verliebten