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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Galizien

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Papier gebracht worden. Immerhin aber bilden auch diese Überreste der ruthenischen 
Volkspoesie und Volkssage einen reichen und werthvollen Schatz, welcher uns ein klares 
Bild der Vergangenheit, des Lebens und Denkens des ruthenischen Volkes darbietet und 
als Zeugniß des bedeutenden Culturgrades, welchen dieses Volk erreicht hat, dienen kann. 
Ergreifende Wehmuth, tiefe, echt menschliche Gefühle, mit großem Takt und Züchtigkeit 
zum Ausdruck gebracht, Zartheit mit männlicher Kraft gepaart, kennzeichnen die lyrischen 
Dichtungen, während die Dumen außer ihrem poetischen Werthe von großer Wichtigkeit 
für die Geschichte des ruthenischen Volkes sind. 
Erst zu Anfang des laufenden Jahrhunderts haben Forscher und Gelehrte ihr 
Augenmerk der ruthenischen Volksliteratur geschenkt und fingen an Volkslieder, Sagen, 
Überlieferungen und dergleichen unter dem Volke zu sammeln. In dieser Beziehung haben 
sich vor allem der ehemalige Universitätsprofessor Jakob Holowackij mit seinen Genossen 
Szaszkiewicz und Wagilewicz verdient gemacht; ferner Michael Maxymowicz, Kulisz, 
Kostomarow, Metlynskij, Czubinskij, welch' letzterer ein reichhaltiges Material in sieben 
umfassenden Bänden herausgab. Vorzüglich commentirte Ausgaben der historischen Volks 
dichtungen haben Professor Wladimir Antonovicz und Drahomanow geliefert. Von den 
polnischen Ethnographen seien hier besonders Chodakowski, Waclaw z Oleska (Wenzel 
Zaleski), Kolberg und Kopernicki erwähnt. Musterhafte deutsche Übersetzungen rutheuischer 
Volkslieder hat Friedrich Bodenstedt unter dem Titel „Die poetische Ukraine" (Stuttgart 
1845) herausgegeben. Außerdem hat Professor Ludwig Adolf Simigiuowicz-Staust 
„Kleinrussische Volkslieder" in schöner Nachdichtung (Leipzig 1888) und in periodischen 
Zeitschriften Karl Emil Franzos sowie der ruthenische Dichter Fedkowicz geliefert. 
Zu den ältesten Schöpfungen der ruthenischen Volksdichtung gehören ohne Zweifel 
jene Lieder, welche bei verschiedenen Gebräuchen, Festen, Spielen, Umzügen u. s. w. 
vorgetragen werden, nämlich Weihnachts- und Neujahrslieder (kölackz', s^c/säriveüx), 
Frühjahrs- und Osterlieder (-vessuiunü^, llallitü^), Johaunisfestlieder (küxaliu), Ernte 
festlieder, Hochzeitslieder und dergleichen. Diese Lieder haben in der Regel einen 
mythischen Untergrund; sie weisen Überreste der vorchristlichen Anschauungen und des 
Volksglaubens auf, und haben einen besonderen Werth als Hauptquelle der Mythologie, 
sowie als Überreste des alten mythischen Volksepos. Allein in diesen Volksliedern finden 
wir nicht blos mythisch-religiöse Anklänge, nicht nur Überreste der Verehrung heidnischer 
Gottheiten, sondern auch Lobpreisungen der alten ruthenischen Helden und Fürsten. 
Manche Weihnachts- und Neujahrslieder weisen Spuren aus der Periode der ruthenischen 
Theilfürsten und deren Gefolgschaft (ckruLMu) nach und bilden hiemit den Übergang von 
dem mythischen zum historischen, vortatarischen Epos. Die betreffenden Dichtungen haben 
sich im Volksmunde zumeist der ehemaligen Theilsürstenthümer Haiyc und Wolodymhr
	        
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