und einem Bockbart. Ein gescheidter, kluger Mensch vermag den Teufel hinters Licht zu
führen und mit demselben Späße zu treiben. Daher haben die ruthenischen Teufelssagen
vorwiegend einen humoristischen Anstrich oder einen ethischen Untergrund, indem Wahrheit
und Verstand immer Oberhand gewinnen über die unlautere, physische Macht.
Sehr verbreitet ist der Volksglaube an Hexen (rviä'ru^) und Zauberer (rvickmulr^),
welche bereits in der Volksphantasie als Menschen mit übernatürlicher Zauberkraft
ausgerüstet erscheinen, obgleich alle Merkmale derselben auf ihre rein mythische Abkunft
weisen. In den Volkssagen führen die Hexen und Hexenmeister übernatürliche Thaten
aus: sie gebieten über Regen und Hagel, Thau, Wolken und Winde, entwenden vom
Himmel Sterne und Mond, fliegen in der Luft herum und halten ihre Versammlungen
am Kahlenberg borä), wo sie mit den Teufeln verschiedene Spiele veranstalten,
verwandeln sich in Thiere oder nehmen auch andere Gestalten an, um dem Menschen einen
bösen Streich zu spielen oder Verfolgungen zu entgehen. Hexen sind in jeden: Dorfe
vorhanden. Die Hexerei ist angeboren und manche junge Mädchen verstehen schon die
Hexerei. Sie können den Kühen die Milch abnehmen, Unglück, Krankheiten und selbst
den Tod verursachen.
Zn dieser Kategorie gehören die piunülirz'i^, welche Hagelwetter und Regengüsse
beherrschen, und die Wahrsager chuuokmr^ und Lnueimrir^). die von dem Volke in
verschiedenen Angelegenheiten, besonders in Krankheiten befragt werden und über eine
Unzahl von verschiedenartigen Arzneimitteln, Talismans und Zauberformeln verfügen.
Das Kind des Teufels und einer Hexe heißt up^r (Vampyr). Es gibt lebendige
und todte Vampyre. Die ersteren haben ein roth angelaufenes Gesicht. Die todten Vampyre
verwesen nicht im Sarge, sondern kriechen in der Mitternacht heraus, gelangen auch bei
geschlossenen Thüren in menschliche Wohnungen, wo sie ihren Verwandten das Blut
aussaugen. Will man einen Vampyr befreien, so muß man einen Espenpfahl in sein Herz
schlagen.
Alle diese Geistergestalten sind noch Überreste der dämonischen Macht der Wolken,
welche von der Volksphantasie personifiziert und poetisch ausgestaltet wurden.
In hohem Grade ist unter dem ruthenischen Volke der Glaube an den Werwolf
Hvo^virrckälr) verbreitet. Nach dem Volksglauben verwandeln sich die Zauberer selbst bei
Nacht in Wölfe, manchmal aber verzaubern sie aus Haß andere Menschen, die so lange
Wölfe bleiben müssen, bis sie Jemand beim Menschennamen nennend davon befreit. Die
Werwölfe sind halbmythische Wesen, welche den Übergang von den zoomorphischen zu
den anthropomorphischen mythischen Gestalten der Wolken bilden.
Es gibt eine beträchtliche Gruppe von Volkssagen, welche von Verwandlungen und
Verzauberungen in Bäume, Blumen, Sterne, Vögel, Thiere und dergleichen handeln.