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Schon unterWladysiawJagiclto wurde den Armeniern inLemberg ein eigener Stadttheil
nahe am Centrum der Stadt zugewiesen. Bon dort aus pflegten die großen, wohlorganisirten
und gut bewaffneten Karawanen in den Orient zu ziehen unter der Führung
des Karawan-Baschas, eines tapferen und klugen, dies gefahrvolle Gewerbe berufsmäßig
betreibenden Mannes; dorthin kehrten sie heim, mit all den glänzenden und blitzenden,
buntfarbigen Herrlichkeiten des Orients reich beladen, dort kramten sie aus den lasurblauen
ungeschorenen Sammt, den grünen Damast, den carmoisinrothen, goldverbrämten ,labin«,
seidene schöngemusterte Mukadim-Gürtel, türkische Shawls und Tschamlets, Saffiane
und Muchaire — und all dies frisch und glänzend mit dem eigenthümlichen süßlichen
Geruch der orientalischen Farbstoffe und Parfüms. Kein Wunder, daß eine frisch angelangte
armenische Karawane für die elegante Frauenwelt Lembergs ein Stadtereigniß und für den
sparsamen Stadtbürger eine finanzielle Niederlage bedeutete. Dies mochte ein Grund mehrfein
des Übelwollcns gegen den Armenier, den der Bürger schon feit langem mit scheelem
Blicke ansah. Denn die Armenier standen sich gut zu König und Regierung, sie verstanden
es, sich vortheilhafte Privilegien zu verschaffen und in mancher Streitsache mit dein
Lemberger Stadtamt sogar die Entscheidung zu ihren Gunsten zu erwirken; 1505 erlangten
sie sogar vollkommene Zollfreiheit nicht nur für den orientalischen Import, sondern auch
für die Waare aus Lithauen, Preußen und Schlesien. Jetzt fand man in den armenischen
Kramläden neben den Schützen des Orients auch preußischen Bernstein, neben ungarischen
Messern und Sensen venetianische Goldschmiedearbeiten. So wurden sie ein unentbehrliches
Glied im sveialen Organismus, umsomehr als sie sich Dank ihrem gewandten Auftreten und
ihren zungenfertigen Sprachkenntnissen zu Dolmetschen, Agenten, Sensalen, Vermittlern,
„Factoren" vorzüglich eigneten. Seit 1538 pachteten sie auch wirklich von der Stadt
Lemberg die Einkünfte des amtlichen Dolmetschen, ein Amt, das sic zu einem einträglichen,
allgemeinen vfficiellen Vermittlungsbureau für alle fremden Kaufleute und Interessenten
zu erweitern wußten. Nicht selten traf es sich, daß gebildete Armenier die königlichen
Botschafter auf ihren Missionen im Orient begleiteten, manchmal sogar ersetzten. Ihr
bedeutender socialer und finanzieller Aufschwung im XVI. Jahrhundert veranlaßt«: öfters
die Lemberger Bürgerschaft zu Vorstellungen und Bitten um Einschränkung ihrer Rechte
und Privilegien. Das zeitweise Verbot des ausschließlichen Importes wurde zwar 1563
von König Sigismund August wieder aufgehoben, aber schon 1577 die Zahl der Verkaufsläden
auf 22 reiche und 19 arme und 1600 die Zahl ihrer Häuser, von denen keines am
Ningplatze stehen durfte, auf 79 „contingentirt"; sie hatten kein Braurecht und durften nur
zwei Weinschänken, drei Methschänken und vier Bierhäuser halten, auch durften nicht mehr
als je zwei Schuster, Schneider und Kürschner und ein Maler „armenischer Nation" in
die betreffenden Gilden ausgenommen werden.