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Die ersten entsprechen jenem Verstummen, das den ersten Zeiten nach dem Verluste eigen
ist; dann folgt die Erinnerung: jeder Augenblick, jeder gewohnte, auch der geringste
Gegenstand zerreißt das Herz mit dem Bewußtsein des Geschehenen und Unabweisbaren.
Es folgt die Sehnsucht, trostlos und leidenschaftlich, diese geht endlich in Empörung,
beinahe in Gotteslästerung über. Das ist aber der Culminations- und der Wendepunkt.
Die Verzweiflung löst sich in Thränen, die Empörung verwandelt sich nach und nach in
Resignation und Gebet, die Beruhigung und der Trost kehren in der letzten Elegie in die
Seele des Dichters ein, dem im Traume seine längst verstorbene Mutter mit der kleinen
Ursula in den Armen erscheint, um ihn an die Vergänglichkeit alles Irdischen, an
die Unsterblichkeit, an ein seliges Wiedersehen zu mahnen.
Die Tren^ sind Kochanowskis Haupt- und Meisterwerk; sie sind auch das Schönste
und Höchste in der Polnischen Dichtung bis zum Auftreten des Adam Mickiewicz geblieben.
Der Dichter starb an einem Schlaganfall in Lublin 22. August 1584 und wurde
in seiner Familiengruft zu Zwolen in der Wojwodschaft Sandomir begraben.
Kochanowski ist ein durchaus lyrischer Dichter; an eine größere Composition wagt
er sich nur einmal, und die Abfertigung der griechischen Gesandten beweist ebenso wie
seine fragmentarischen epischen Versuche, daß er auf diesen Gebieten kein so großer Meister
ist wie auf dem lyrischen. Unter den Lyrikern seiner Zeit, ja aller Zeiten, behauptet er
seinen Rang mit Ehren; Wohl nicht unter Pindars oder Schillers, aber unter Horazens
und Petrarcas Fahne. Größere Dichter hat es wohl gegeben; eine so harmonische,
vollkommen ausgeglichene dichterische Natur ist nicht leicht aufzuweisen.
Um Kochanowski schart sich eine Gruppe von Dichtern, unter denen nur zwei hervorgehoben
zu werden verdienen: Nikolaus Semp Szarzyüski, der ein ganz ungewöhnliches
Talent besaß, leider aber sehr jung gestorben ist, und Sebastian Klonowicz (Acernus),
geboren 1545, gestorben 1602, in dessen Gedichten (vor Allem in den satyrischen) sich viel
Verstand und scharfer Beobachtungssinn bemerken läßt. Die Form aber und das poetische
Talent lassen viel zu wünschen übrig.
Vielseitiger und reichhaltiger als die Dichtkunst entwickelte sich in derselben Zeit die
polnische Prosa.
Lucas Görnicki (geboren zu Oswixcim 1527, in Krakau und Padua gebildet,
anfangs Secretür zweier Krakauer Bischöfe, dann Sigismund Augusts, dessen volles
Vertrauen er besaß, Starost von Tykocin, gestorben 16N3) tritt im Jahre 1565 mit
seinem v vor^unin (Hoscavalier) auf, einer Bearbeitung des Castiglione'schen Cortegiano,
in welcher vieles einfach übersetzt, manches aber weggelassen, anderes hinzugefügt ist. Der
prächtige Dialog wird vom Estensischcn Hofe auf eine Villa des Bischofs von Krakau übertragen;
selbstverständlich fallen die Damen weg, das Gespräch wird von Männern geführt