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Die Mahnung an ein trauriges Ende als Gottes Strafe und als natürliche Folge solcher
inneren Zustände zieht sich durch alle Predigten hin. In der letzten aber bricht sie mit einer
elementaren Macht durch, der die ältere polnische Literatur nichts, die neuere kaum etwas
gleichzustellen vermag. Skargas Weissagungen haben sich in einer Weise sogar bis auf
Einzelheiten erfüllt, daß ihm nach Polens Untergang ein prophetischer Geist zngeschricben
wurde. Er selbst erklärte, einen solchen nicht zu haben; er ist aber und bleibt für immer
einer der höchsten Geister, welche diese Nation hervorgebracht hat, die derselben voran
leuchteten und ihr zur Rettung und Selbsterhaltung zu verhelfen suchten.
Die zweite Hälfte des XVI. Jahrhunderts wird allgemein als das goldene Zeitalter
der polnischen Literatur betrachtet, und zwar mit Recht. Für die Polnische Literatur ist sie
der Augenblick, in welchem die Sonne in der vollsten Mittagshöhe steht. Das allmälige
Sinken fällt in die erste Hälfte des XVII. Jahrhunderts, in die Zeit der beiden ersten
Könige aus dem Hause Wasa. Dem Anschein nach bleibt alles unverändert. In denselben
Formen, in einer jedenfalls guten Sprache wird weiter (und zwar von vielen) gedichtet,
gepredigt oder an Geschichtswerken gearbeitet. Die Grundlage der Weltanschauung, der
Einfluß des elastischen Alterthums in allen Richtungen und Gattungen der Literatur
bleibt unberührt. Nur fehlt dieser Literatur und Cultur der mächtige innere Trieb höher
zu steigen, welcher das XVI. Jahrhundert charakterisirt. Das elastische Alterthum hat
bereits zur Entwicklung der europäischen Cultur das Seinige beigetragen. Wer sich von
dieser Stufe höher erheben wollte, der mußte in sich selbst, in der gegenwärtigen Welt
neue Quellen und neue Elemente des Wissens, neue Formen des Schaffens suchen und
finden. Wer auf dem bereits überwundenen Standpunkte stehen blieb, der blieb zurück,
indem er mit den anderen nicht gleichen Schrittes sich bewegte.
Polen blieb stehen. Die großen Fragen des XVI. Jahrhunderts waren erledigt.
Die aus mittelalterlichen und römisch-republikanischen Begriffen zusammengeschmolzene
Verfassung (1573) wurde als ein uou plus ultra politischer Weisheit und möglicher
Glückseligkeit angesehen, als ein Sacro-Sanctum, an dem nicht gerührt werden durfte. Die
Katholiken waren zufrieden und mit Recht: Die kirchliche Einheit, die sie anstrebten, kehrte
auffallend rasch und leicht zurück. Der Protestantismus, vor Kurzem noch so kampsbegierig
und hoffnungsvoll, siecht mit jedem Jahre mehr dahin und wird zu einer unbedeutenden
Minorität, die jeder Hoffnung auf Ausdehnung entsagend, zufrieden ist, daß man ihr
ihre Rechte und Freiheiten beläßt. Der Adel sonnt sich in den Strahlen seiner Freiheit;
die übrigen Stände resigniren sich eben, nichts zu bedeuten. Der innere Trieb erschlafft,
der Status quo reicht aus. Und doch Hütte die Zeit viele und große Aufgaben gestellt.
Das eben zu seiner größten territorialen Ausdehnung gelangte und von zwei Seiten,
vom Süden und Norden, von Dirken und Russen stets bedrohte Reich hatte vor Allem