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Jvsef Szujski war zu Tarnvw im Jahre 1835 gebaren, wv er das Gymnasium
besuchte. Er studirte sodann an den Universitäten zu Krakau und Wien. Doch genügten
die obligaten Studien dem wißbegierigen Jünglinge nicht: er verlegte sich mit außer
ordentlichem Eiser auf fremde Sprachen und Literaturen, moderne, wie antike, ans Philosophie
und Geschichte; seinen Hauptberuf aber erblickte er damals in der Dichtkunst, die er auch
bis zu seinem Ende nie ganz aufgegeben hat. In seinen Jugendjahren machte er sich durch
allerlei Gedichte, mitunter Dramen (von denen einige auch anfgeführt und günstig
aufgenommen wurden), be-
merklich. Von dem künftigen
Geschichtsschreiber hatte
niemand, hatte er selbst keine
Ahnung. Der Mangel einer
populären polnischen Ge
schichte wurde seit Jahren
lebhaft empfunden. Szujski
nahm den Antrag, eine solche
zu schreiben, an, in der
Meinung, das Buch werde
blos eine Nebenbeschäfti
gung für ihn sein. Allein,
sobald er an's Werk ging,
enthüllten sich ihm erst die
zahlreichen Lücken in seinem
eigenen Wissen, und das
unermeßliche Gebiet, das zu
durchforschen und zu be-
meistern war, um ein
würdiges Werk zustande zu
bringen. Er fing soeben an, sich in die Quellenforschung zu vertiefen, als das Jahr 1863
mit seinen Folgen sein ganzes Wesen bis ins Innerste erschütterte. Es war ein Zusammen
sturz alles dessen, woran er bisher geglaubt hatte: die Weltordnung, der Entwicklungsgang
der Menschheit, sein eigenes Vaterland und dessen Zukunft, Alles erschien ihm anders,
als zuvvr. Jene verzweifelten Fragen, die zur bitteren Alltagskost aller Mitlebendcn
wurden, häuften sich in diesem Herzen und Geiste mit ganz besonderer Wucht, und diese
Bedrängniß, diese Todesangst war es eben, welche Szujski zum Historiker, der die
Vergangenheit, und zum Politiker machte, welcher die Gegenwart beurtheilt, und ihr die
Balerian Kaliuka.