661
Tendenzromane, wie z. B. „Zachar Berknt" (der fingirte Name eines alten Patriotischen
Bauers aus der Fürstenzeit), wenig naturgetreu sind. Anderwärts neigt der Verfasser
stark zum Naturalismus hin („Auf dem Grunde" 11» Aui, „Die Mission" Wenn) und
schildert Scenen, welche mit den Begriffen der Ästhetik kaum vereinbar sind. Gleichwohl
zeichnen sich seine Novellen im Allgemeinen durch reiche Erfindung, sowie geistreiche
Charakteristik der handelnden Personen aus. Eine ähnliche Richtung verfolgen größtentheils
auch die Gedichte Franko's,
welche er seit dem Jahre
1874theils in verschiedenen
ruthenischen Zeitschriften,
theils auch in besonderen
Ausgaben veröffentlicht hat.
Unter diesen Gedichten ist
namentlich die größere politische
Erzählung „Uani-eia
mapm« (Herrenscherze)
nennenswert!). Franko befaßte
sich auch mit der Übersetzung
einiger wichtigerer
literarischer Produkte des
Auslandes. Mustergiltig ist
namentlich seine Übersetzung
des Faust von Goethe
(I. Theil, Lemberg 1882).
In abgekürzten Umarbeitungen
in ruthenischer
Sprache erschienen auch
die Erzählungen vom Emu Lh°n°wskij.
Reinecke Fuchs (1890) und
Saavedra's Don Quixote (1891). Neben der Belletristik beschäftigte sich Franko auch mit
Untersuchungen auf dem Gebiete der Socivlogie, Geschichte, Ethnographie, Literaturgeschichte
und Kritik.
Als Antipode Frankvs kann Wladimir Maslak (geboren 1858) gelten, der seit
dem Jahre 1879 in zahlreichen lyrischen Gedichten eine heitere Weltanschauung durchschimmern
läßt. Von den Jüngeren versuchten sich, besonders in lyrischen Gedichten,
H. Hrabowyc, Julie Schneider, O. Makowej, W. Scurat n. a.