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MAK

Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Galizien

Der  Einfluß  des  großen  Künstlers  spiegelt  sich  nicht  nur  in  vielen  Steinornamenten
Krakau's  wieder,  was  sich  schon  aus  seinem  Verhültniß  zu  den  Steinmetzen  seiner  Zeit  am
besten  erklärt,  sondern  in  manchen  Holzbildwerken,  welche  hier  und  da  in  Landkirchlein
aufbewahrt  werden  und  in  Typen  und  Charakter  locale  und  polnischeAbstammung  verrathen.
Wir  haben  oben  der  Bronzearbeiten  Erwähnung  gethan.  Wir  kennen  nicht  viele
Städte,  welche  einen  so  bedeutenden  und  so  werthvollen  Reichthum  an  Bronzedenkmülern
hätten  wie  Krakau  und  wer  weiß,  ob  es  nach  Nürnberg  eine  Stadt  gibt,  in  welcher
die  Bronzegießerei  sich  als  so  hochstehend  und  blühend  erweist.  Im  Mittelalter  waren
gleichwie  im  nördlichen  Deutschland,  so  auch  in  vielen  Krakauer  Kirchen  zahlreiche  in
Bronze  ausgeführte  Grabmalplatten  aus  Flandern  bezogen  worden.  Seit  dem  Ende  des
XV.  Jahrhunderts  bestellt  und  verschreibt  Krakau  seine  schönsten  Bronzegrabmäler  aus
Nürnberg,  namentlich  aus  der  Gießerei  des  Peter  Bischer.  Das  berühmteste  Grabdenkmal
dieser  Gattung  ist  jenes  des  Kallimachus,  dessen  wir  schon  Erwähnung  thaten.  Bald  darauf
kommt  aus  derselbenWcrkstätte  das  prächtige  Denkmal  des  Kardinals  und  Bischofs  von
Krakau,  Friedrichs  des  Jagellonen,  das  im  Jahre  1510  vollendet  wurde.  Die  in  einer
architektonisch  aufgcbauten  Nische  stehende  Figur  des  Hingeschiedenen,  voll  Ernst  und
Würde,  trägt  samint  ihrer  Umrahmung  noch  ganz  den  gothischen  Charakter;  das  Basrelief
jedoch  am  Sockel  und  an  den  Seiten,  worauf  der  Cardinal  vor  der  heiligen  Jungfrau
kniend,  sowie  der  heilige  Stanislaus,  der  Patron  der  Kathedrale  dargestellt  ist,  sind  ganz
im  Stile  der  Renaissance  gehalten,  und  wer  weiß,  ob  an  ihrer  Ausführung  nicht  Peter
Bischer  der  Jüngere  oder  sein  Bruder  Hermann  betheiligt  war,  über  dessen  Arbeiten  wir
übrigens  sehr  wenig  wissen.  Die  Grabplatten  des  Peter  Kmita  in  der  Kathedrale,  sowie
der  beiden  Krakauer  Patrizier  Salomon,  aus  den  Jahren  1505  und  1516  stammend,
müssen  gleichfalls  ans  der  Gießerei  Peter  Wischers  hervorgegangen  sein.  Sie  gehören
jedenfalls  zu  den  allerschönsten  Gebilden  dieser  Art.  Mit  dein  zweiten  Jahrzehnt
des  XVI.  Jahrhunderts  beginnt  Krakau  seine  Bedürfnisse  in  dieser  Richtung  aus  eigenen
Kräften  zu  bestreiten.  In  der  ersten  Hälfte  dieses  Jahrhunderts  gelangt  der  hier  ansässige
Bronzegießer  Meister  Servacius,  vermuthlich  ein  aus  Nürnberg  stammender  Schüler
Wischers,  zur  Berühmtheit,  in  der  zweiten  Hälfte  des  Jahrhunderts  aber,  zur  Zeit  des  Königs
Sigmund  August,  der  ebenfalls  aus  Nürnberg  stammende,  doch  schon  als  Krakauer  Meister
und  Bürger  hier  seßhafte  Oswaldus  Baldner.  Viel  später  tritt  an  ihre  Stelle  der
ungewöhnlich  begabte  Bronzegießer  Michael  Otten,  welcher  das  Krakauer  Bürgerrecht  im
Jahre  1595  annahm.  Meister  Servacius  hat  im  Jahre  1528  das  herrliche  Bronzegitter
der  Sigmundskapelle  nach  den  Zeichnungen  Meister  Sebaldns',  ebenfalls  eines  Nürnbergers,
  gegossen.  Manche  der  daran  befindlichen  Ornamente  verrathen  den  Einfluß  der
Vischer'schen  Schule  und  zeigen  Verwandtschaft  mit  dem  Grabmal  des  Cardinals  Friedrich.
            
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