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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Galizien

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Auf solchen Bilderwänden findet inan kleine Gallerien von Bildern nebeneinander gestellt, 
die man sonst abseits der gebahnten Wege an unbekannten Orten suchen muß. Die schönsten 
Ikonostasen findet man in Rohatyn unweit Lemberg, in Bohorodczany bei Stanislau und 
in Lemberg selbst. Die Rohatyner Bildcrwand aus dem Jahre 1649 hat 47 Bilder, 
die von Bohorodczany aus der zweiten Hälfte des XVII. Jahrhunderts 43; die Wan daber, 
welche den Altar der Kirche der heiligen Paraskewe in Leniberg verdeckt und späteren Datums 
ist, zählt 70. Die Bilder sind von sehr ungleicher Größe, die meisten sehr klein. Bei allen fällt 
die schöne und sorgfältige Technik, die Lebhaftigkeit der Farben und der Glanz des Kolorits 
ans. Den größten Werth jedoch hat unter ihnen die Jkonostasis von Bohorodczany. 
Auf einem Hintergrund byzantinischer Traditionen kann man bei ihnen bald mehr 
oder weniger ins Auge springende westländische Einflüsse wahrnehmen. So in Rohatyn, 
vor Allem aber in Bohorodczany in untrüglicher Weise den niederländischen Einfluß, 
welcher übrigens an vielen, aus derselben Zeit stammenden Werken der Malerei vom 
Berge Athos ebenso ersichtlich ist. Hingegen zeigen sich in den Gemälden der Jkonostasis 
der Kirche der heiligen Paraskewe in Lemberg italienische Einflüsse. Der locale Charakter 
des Schmuckes und der Typen tritt hier verhültnißmüßig weniger als in den bescheidenen 
Ikonostasen der Dorfkirchen hervor, welche keinen Anspruch auf künstlerische Bedeutung 
erheben. Einige Namen rnthenischer Maler ans der Entstehungszeit unserer Ikonostasen 
sind uns überliefert, so: Fedor Sienkowicz, dessen im Jahre 1630 Erwähnung geschieht, 
ferner Nicolaus Petrachnowicz, im Jahre 1637 genannt, beide in Lemberg; es berechtigt 
uns jedoch nichts, sie mit den bekannten Ikonostasen oder anderen erhalten gebliebenen 
Werken der ruthenischen Kirchenmalerei in Verbindung zu bringen. 
Die Bildhauerei fand in Ostgalizien, wie überhaupt in der ganzen byzantinischen 
Welt keinerlei Feld für ihre Entwicklung; sie beschränkt sich auf die Holzschnitzerei an den 
Thüren und den Rahmen der Ikonostasen, zeigt uns jedoch innerhalb dieser engen Grenzen 
Beispiele eines Reichthums, ja, einer Leichtigkeit und Anmnth, die dem Stile der 
Renaissance, namentlich der Spütrenaissance entspricht. 
Nach dem großen Zusammenbruche, der die Bestandtheile des einst mächtigen 
Reiches auseinanderriß und jeden der Theile in andere Verhältnisse und unter eine andere 
Herrschaft versetzte, ist es nicht zu verwundern, daß diese Theile sich lange Zeit hindurch 
als eine zertrümmerte Einheit betrachteten und nur daran dachten, in ihren früheren 
Zustand zurückznkehren, sich wieder miteinander zu vereinigen. In der ersten Hälfte des 
XIX. Jahrhunderts träumte man nur von diesem Ideal lind lebte nur im Streben nach 
dessen Verwirklichung. Es kam die Zeit der größten Dichter, welche die polnische Nation 
hervorgebracht hat: Mickiewicz, Slowacki, Krasinski, Namen, welche das ganze Leben 
des Volksgeistes in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts in sich zusammenfassen.
	        
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