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Acupictur. In der historischen Abtheilung der galizischen Landesausstellung von, Jahre
1894 fanden sich höchst interessante Muster alter Nadelmalerei zusammen, darunter auch
ruthenisch-liturgische und israelitische. Den Sieg trug die berühmte Kmita'sche oder Sanct
Stanislaus-Casel ans dem Domschatz in Krakau davon, eine herrliche, einzig und unüber
troffen in ihrer Art dastehende nadelplastische Arbeit, eine Acusculptur im vollsten Sinne
des Wortes, mit meisterhaft modellirten, beinahe vollrund heraustretenden, in technischer
Hinsicht mit erstaunlicher Kunstfertigkeit ausgeführten Figuralscenen aus dem Leben des
heiligen Märtyrers, ein unvergleichlich interessantes Denkmal der plastischen Stickerei aus
dem Jahre 1504. Sehr beachtenswert!, waren aber auch die ruthenischen kirchlichen
figuralen Stickereien mit Darstellungen des Todes Maria's, der zwölf Apostel u. s. w., in
welchen die durch farbigen Grund erzielte schillernde Polychromie der Gold- und Silber-
tvne besonders auffiel. Diese Muster der alten Nadelmalerei waren uni so interessanter,
als sie fast sämmtlich den Hauptstätten der Kunststickerei, Lemberg und Krakau, entstammten.
Ein großes Gebiet des ehemaligen Polen versorgten mit ornamentalem und figuralem
Nadelwerk die Werkstätten Lembergs, wo zu alter Zeit, bis in das XVIII. Jahrhundert
hinein, eine besondere, verhältnißmäßig sehr zahlreiche Kunststicker-Zunft (Kr^Ioires)
bestand, die dem interconfessionellen Charakter dieser Stadt entsprechend ans Polen,
Ruthenen und Armeniern gebildet war. Gleichzeitig aber gab es auch unter den Juden
Lembergs zahlreiche Kunststicker, die, wenngleich aus der Zunft ausgeschlossen, in ihrer
Kunst Vorzügliches zu leisten im Stande waren, sobald sie von den Stadtconsuleu
bedeutende Aufträge erhielten, wie z. B. im Jahre 1659 die Anfertigung eines seidenen,
mit Jagdscenen decorirten Zeltes, welches die Stadt Lemberg als Geschenk für den König
Johann Kazinnr bestimmte. Die einst so blühende Kunststickerei wurde im Laufe der Zeit
arg vernachlässigt und der Kirchenbedarf wurde durch banale und geschmacklose ausländische
Fabrikate gedeckt. Erst in neuester Zeit, Dank dem Erwachen des kunstgewerblichen Sinnes
und unter dem segensreichen Einflüsse der durch den Staat und auch aus Landesfonds
erhaltenen oder subventionirten Fachschulen, hauptsächlich aber der Gewerbeschule, in
welcher die Stickerei-Abtheiluug von tüchtigen, an dem Wiener Museum für Kunst und
Industrie heraugebildeten Lehrerinnen geleitet wird, beginnt auch dieser edle Zweig des
Knustgewerbes lebensfrisch aufzukeimen, und auf der letzten Landesausstellung waren
stilvolle Proben der Kunststickerei zu sehen, welche über das Maß gewöhnlicher Liebhaberei
und häuslicher Frauenarbeit weit hinausragten.
Zur Metallkunst übergehend, müssen wir den ersten Platz der Goldschmiedeknnst
einräumen, einer Kleinkunst, welche den nationalen Geschmack und die Sitten eines seden
Volkes vielleicht am besten kennzeichnet, da sie die mannigfaltigsten Erscheinungen seines
socialen Lebens sozusagen mitbegleitet, Altar und Tisch, Weib und Mann, Tracht und