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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Galizien

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Entwaldung als magere Hafer- oder Kartoffelfelder bebaut oder verwandelten sich in 
armselige, mit verbissenen Wachholdersträuchern bewachsene Weiden; die früher regelmäßig 
fließenden Büche wurden zu Wildbächen, welche die dem Gebirge entströmenden Flüsse 
derartig verschottern und versanden, daß nach jedem etwas länger dauernden ausgiebigeren 
Gebirgsregen die Wasser aus den Flußbetten heranstreten und durch Überschwemmungen 
fast alljährlich ungeheueren Schaden anrichten. 
Seit dem Erlasse des Forstgesetzes, dessen Bestimmungen lange Zeit sehr gelinde 
angewendet und durchgeführt wurden, ist die Entwaldung etwas eingeschränkt, jedoch 
nicht aufgehalten, indem Gesuche um die Erlaubniß zur Umwandlung des Waldbodcns 
in Ackerland nur zu oft eingereicht und ungeachtet der jetzt strengeren Beobachtung der 
gesetzlichen Vorschriften doch nicht immer abweisend erledigt werden können, namentlich 
wenn dieselben aus noch sehr waldreichen Gegenden einlangen und keine gewichtigen Gründe 
gegen die Erlaubniß sprechen. Die Einsicht, daß der Wald als Factor der allgemeinen 
Wohlfahrt und sogar als sichere Kapitalsanlage geschont werden soll, bricht sich wohl 
in gebildeten Kreisen allmählich Bahn. Blanche Waldbesitzer würden dieser Ansicht auch 
unbedingt huldigen, wenn sich nur die allgemeinen ökonomischen Verhältnisse besserten; 
gegenwärtig aber muß der Wald sehr oft aus der Nvth helfen und fällt in die Hände von 
Industriellen, für welche die Zukunft des Waldes wie auch die Rücksichten auf das allge 
meine Wohl Nebensache, der augenblickliche Nutzen der alleinige Zweck ist. 
Der drohenden Entwaldung wird in den letzten Jahren einigermaßen entgegen 
gearbeitet. Große Flugsandflächen sind mit Kiefern bewaldet, durch Viehweide oder durch 
unerlaubte Rodungen zerstörte Waldungen werden zwangsweise wieder aufgesorstet und 
besonders die Gemeindewälder, welche ohne das Einschreiten der Regierung sehr rasch 
verschwinden würden, werden amtlich beaufsichtigt und ihre Nutzung controlirt. Ein für 
die Zukunft der galizischen Wälder günstiges Zeichen ist auch die steigende Nachfrage nach 
gebildeten Forstleuten und eine wenn auch noch schwache Tendenz, die Wälder des mittleren 
Großgrundbesitzes schonend und nachhaltig zu bewirthschaften. Die vom Landes-Ausschusse 
im Jahre 1874 errichtete Landeslehranstalt für Forstwirthschaft in Lemberg erfreut sich 
auch einer steigenden Frequenz. 
Ungeachtet dessen, daß die Wälder nicht geschont, theilweise sogar leichtsinnig 
verwüstet oder in Ackerland umgewandelt wurden, besitzt das Land noch einen sehr 
bedeutenden, an vielen Orten sogar noch sehr werthvollen Waldbestand. Nach den neuesten 
statistischen Erhebungen des k. k. Landes-Forstinspectorates im Jahre 1894 sollen in 
Galizien 1,954.074'20 Hektar wirklich bewaldet sein (nach amtlichen statistischen Tabellen 
in den letzten Jahren 2,014.922 Hektar). Die angegebene Waldflüche wird vielleicht nicht 
ganz genau der Wirklichkeit entsprechen, indem viele Waldparzellen wohl nicht mehr
	        
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