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Meistens wird die künstliche Verjüngung (Säen und Pflanzen) nur als Aushilfe angesehen
und dementsprechend nur dort augewendet, wo die natürliche Besamung nicht ganz
gelungen ist oder einfach nicht angewendet werden kann.
Wenn wir von der nicht unbedeutenden Holzindustrie absehen, welche für den
internen Bedarf arbeitet, so werden die galizischen Wälder bis jetzt eigentlich nur durch
Sägewerke industriell ausgenützt, indem andere Zweige der Holzindustrie erst im Werden
begriffen sind, und das Land noch sehr große Massen von Holzwaaren ungeachtet
seines Reichthums an werthvollen Werkhölzern aus dem Auslande beziehen muß.
Die Sägewerkindustrie hat sich mit der Vervollkommnung der Verkehrsmittel
auffallend schnell entwickelt, indem neben den Primitiven, mit einer einzigen Säge
arbeitenden Sägemühlen immer häufiger größere Wasser- und Dampssügen (die erste im
Jahre 1851 in Mokrzyszow) entstanden, welche nicht nur die kleinen Sägemühlen, sondern
auch die (in einigen Gegenden und ausnahmsweise übliche) Handsügerei beinahe voll
ständig verdrängten. Gegenwärtig besitzt Galizien nicht wie früher, so außerordentlich viele
aber desto besser eingerichtete Sägewerke unter denen besonders zwei beachtenswerth
sind, nämlich in Wygoda und Demnia.
Das Sägewerk in Wygoda gehört zur Herrschaft Wetdzirz (Besitz der Aktiengesell
schaft L. v. Popper) und ist wohl das größte in der Monarchie. Außer den sehenswerthen
Einrichtungen zur Bringung des getrifteten Holzes, der elektrischen Beleuchtung und so
weiter enthält es 24 Bundgatter, 12 Zircularsägen, 2 Hobelmaschinen, 1 amerikanisches
Spaltgatter, 3 Hvlzwollmaschinen und 6 Ablängesägen.
Das Sägewerk in Demnia, zur Herrschaft Skole (Besitz der Brüder Grödl und
Schmidt) gehörig, ist, was die technische Einrichtung betrifft, dem Sägewerke in Wygoda
ebenbürtig, aber dadurch interessanter, daß das Holz beinahe ausschließlich nicht
angetriftet, sondern per Bahn dem Sägewerke zugeführt wird, indem auf der Skoler Herr
schaft statt der Trift die Waldeisenbahn eingeführt und immer weiter ausgedehnt wird,
was nicht mir die Ausnutzung der Wälder rationeller gestalten, sondern gleichzeitig auch
die Durchführung einer nachhaltigen, systematischen Waldwirthschaft den gegenwärtigen
Besitzern erleichtern wird.
Die Products der Sägewerksindustrie, durch welche hauptsächlich die galizischen Wälder
ausgenutzt werden, sind sehr mannigfaltig, denn dieselbe liefert dem Handel vom einfachsten
Kistenbrett oder einer Dachlatte die verschiedensten Sortimente bis znm schönsten, fertig
zugeschnittenen und gehobelten Tischler- und Musikinstrumentenholz. Diese weit über das
Bedürfniß des Landes gehende Production bildet einen der wichtigsten Posten in den
Ansfuhrausweisen und wirklich beschickt dieselbe mit ihren ausgezeichneten Erzeugnissen
nicht nur die west- und südeuropäischcn, sondern auch viele der orientalischen Holzmärkte.
Galizien. 53