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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Galizien

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Wir gelangen an die Mündung des Zbruczflusses, somit in den äußersten Osten 
des Landes, und stehen auf einer schmalen Halbinsel zwischen den tiefen Canons des 
Dniester- und Zbruczflusses. Eine kleine, kaum aus ein paar Häusern bestehende Ortschaft 
Okopy sw. Tröjcy (Schanzen der heiligen Dreifaltigkeit) krönt malerisch den höchsten 
Gipfel dieser Halbinsel und bezeichnet die Stelle, an der einst eine kleine Feldbefesti 
gung stand. 
Die ostgalizischen Karpathen. - Auf der Reise von Westen m die Hauptstadt 
des Landes sehen wir zu unserer Rechten fast ohne Unterbrechung sich ein Kettengebirge 
erheben, das bald in der Ferne als ein blauer Wolkenrand die bewaldete Ebene abschlleßt, 
bald aber, wie z. B. bei PrzemtM, in unsere unmittelbare Nähe herantritt, aber immer 
eine willkommene und angenehme Abwechslung für unser, durch den Anblick der trostlosen 
und langweiligen sumpfig-sandigen Niederung zu unserer Linken ermüdetes Auge bildet. 
" Es ist dies das karpathische Mittelgebirge, der nordöstliche Zweig des großen europäischen 
Alpensystems. Seine galizische, also Nordseite gehört in hydrographischer Beziehung durch 
die Vermittlung dreier mächtiger Flußsysteme, Weichsel, Dniester, Donau, zweien Meeren, 
nämlich der Ostsee und dem Pont Euxin, an. 
Je länger wir das Gebirge betrachten, je mehr wir von den krystallenen, ans 
demselben entspringenden Strömen passiven, desto mächtiger steigt in uns der Wunsch auf, 
das Innere dieses Zauberlandes kennen zu lernen, und wir benützen die nächste Gelegenheit, 
um mit der Erzherzog Albrecht-Bahn die Hauptstadt zu verlassen und gegen Süden, das 
ist gegen die ungarische Grenze, zu eilen. 
Gleich hinter dem Bahnhof kreuzen wir den Fichtenwald, der den Übergang von der 
Hochebene zur nordgalizischen Niederung bedeutet, und passiven bei der Station Baswwka 
in der Höhe von 320 Metern über dem Meeresspiegel die europäische Wasserscheide zwischen 
der Ostsee und dem Schwarzen Meere. Von nun an bewegen wir uns an der Westgrcnze 
der podolischen Hochebene im Gebiete des Dniesterslusses. 
Von den Fenstern des Eisenbahnwagens aus können wir in der Gegend nichts 
besonders Anziehendes entdecken, aber einige 20 Kilometer westlich vom Bahnkörper 
gelangen wir in eine aninuthige, hügelige, bewaldete, von zahlreichen Schluchten conpirte 
Landschaft, die einige Kilometer südlich von Lemberg beginnt und sich bis an den Dmester- 
slnß in einer Länge von circa 40 Kilometern erstreckt. 
Diese ausgedehnten Forste, die größtentheils zu der hochherzigen gräflich Skarbek'schen 
Stiftung für Waisen und Greise gehören, der hochstämmige, majestätische Laubwald, die 
Schluchten mit malerischen Felspartien, die gewissermaßen die sächsische Schweiz ui 
Miniatur darstellen, die grünlichen Hügel, auf denen zahllose Rehe weiden, bilden ein 
wahres Paradies, sowohl für den Waidmann als für den Naturfreund.
	        
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